„Denn ein Gedenkjahr ist 2015 auch im Hinblick auf Jan Hus, der vor 600 Jahren, am 6. Juli 1415, auf dem Scheiterhaufen hingerichtet wurde“, erläutert Joachim Ott, Leiter des Bereichs Handschriften und Sondersammlungen, den Ansatz der Ausstellung. Hus wie auch die Werkstatt Lucas Cranachs des Älteren und des Jüngeren seien eng mit der Person und dem Wirken Martin Luthers verbunden, so Ott. „Der Reformator sympathisierte offen mit den Thesen des böhmischen ,Ketzers‘ Hus, mit dem er die Erfahrung der Exkommunikation teilte.“ Und die Cranachsche Kunst halte auf einzigartige Weise Luthers Lehre und seine Physiognomie im Bild fest. „Es lag daher nahe, in diesem Jahr der Trias Hus, Luther und Cranach eine Ausstellung zu widmen“, so Ott.
In der Ausstellung sind berühmte illustrierte Drucke wie Luthers September- und Dezembertestament, das antipäpstliche „Passional Christi und Antichristi“, Traktate über den „Papstesel“ und das „Mönchskalb“ und die ersten Ausgaben der Werke von Hus im Original zu sehen. Aus Handschriften Georg Rörers erschließen sich Luthers Gedanken zu Hus und Cranach. Einen Glanzpunkt setzt die in der Cranach-Werkstatt von Hand kolorierte Prunkbibel Kurfürst Johann Friedrichs I. mit einem zugehörigen Pergamentblatt, auf das 1543 Cranach (wohl der Jüngere) eine Version des bekannten Bildthemas „Gesetz und Gnade“ malte.
Die Ausstellung thematisiert außerdem den um 1500 entstandenen, heute in Prag befindlichen „Jenaer Hussitenkodex“, ein Vorläufer der Papstpolemik Luthers und Cranachs, mit dem sich später unter anderen Johann Wolfgang von Goethe befasste. Einige der frühesten Beispiele der Forschungsliteratur über Hus und die Cranachs ergänzen die Ausstellung.
Die Ausstellung „Hus – Luther – Cranach“ ist bis 17. Dezember 2015 jeweils dienstags 10–12 Uhr und donnerstags 14–16 Uhr sowie für Gruppen auch nach Vereinbarung geöffnet.





