Doch unter Tiberius erregte Cremutius Cordus den Zorn des allmächtigen Prätorianer-Präfekten Sejan. Offizieller Grund der sofortigen Anklage war der Gummi‧paragraph „Majestätsbeleidigung“, denn der Lebenswandel von Cordus war untadelig. Der Vorwurf: Cordus habe vor Jahrzehnten Augustus gelästert, indem er dessen einstige Gegner lobte. Der Ausgang des Schauprozesses war von Beginn an klar; Cordus hungerte sich also heimlich zu Tode. Als die Magistrate davon erfuhren, sollen sie noch darüber diskutiert haben: Darf jemand, dem die Todesstrafe droht, dem Urteil überhaupt zuvorkommen? Nach dem Tod des Cordus ließ der Senat dessen Werk im ganzen Reich verbrennen, doch Cordus’ Tochter Marcia konnte mehrere Exemplare verstecken. Jahre später, unter Caligulas Herrschaft, veröffentlichte sie das Buch neu. Tacitus vermerkt, dass Cordus’ Schriften „gerade wegen des traurigen Schicksals ihres Verfassers viel lebhafteres Interesse“ fanden als je zuvor.





