Schon frühere Päpste, zuletzt Innozenz III. (1198 –1216), hatten den Anspruch des Papstes formuliert, die höchste Autorität in Kirche und Welt zu sein. Keiner aber hatte die Unterordnung so radikal eingefordert, wie dies Bonifaz VIII. in der Bulle „Unam sanctam“ tat, die am 18. November 1302 verkündet wurde: „Daher aber erklären Wir, bestimmen und verkünden Wir, dass es für alle menschliche Kreatur überhaupt heilsnotwendig ist, dem römischen Papst untertan zu sein.“
Angesichts des darin formulierten Anspruchs auf uneingeschränkte Universalherrschaft nimmt sich der Anlass der Bulle banal aus. Sie entstand im Zuge einer Auseinandersetzung, die Bonifaz VIII. mit König Philipp IV. von Frankreich um die Besteuerung französischer Kleriker führte. Politisch verpuffte ihre Wirkung denn auch schnell. Ein Jahr später wurde Bonifaz in seinem Palast in Anagni von französischen Söldnern überfallen. In der Folge geriet das Papsttum in so starke Abhängigkeit vom französischen König, dass der Amtssitz des Papstes 1309 nach Avignon verlegt wurde.





