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Burgen am Oberrhein

Autor: Prof. Dr. G. Ulrich Großmann

Dem stattlichen Werk liegt eine Tagung zum Start eines EU-geförderten Interreg-Projekts zugrunde, „Châteaux Rhénans – Burgen am Oberrhein“, über das auch eine Homepage inf…

Burgen am Oberrhein
Dem stattlichen Werk liegt eine Tagung zum Start eines EU-geförderten Interreg-Projekts zugrunde, „Châteaux Rhénans – Burgen am Oberrhein“, über das aucheine Homepage informiert (www.chateaux-rhenans.eu). In ihrer Einführung machen die drei Herausgeberinnen deutlich, dass sie eine „vertiefte wissenschaftliche Beschäftigung mit den Burganlagen“ in vielfältiger Hinsicht anstreben und dabei das Problem überwinden möchten, dass „das gemeinsame kulturelle Erbe des Oberrheingebiets … hinsichtlich der Entstehung und Entwicklung der mittelalterlichen Burganlagen bislang kaum vergleichend betrachtet worden“ ist. Damit legen sie die Latte ausgesprochen hoch, doch den meisten Autoren gelingt es, diese zu überspringen.
Autor
Prof. Dr. G. Ulrich Großmann
06. Juli 2026
Lesezeit
2 Minuten
Rubrik
Rezensionen

Zunächst schildern mehrere Autoren die Situation der Archäologie und Bauforschung in den letzten drei Jahrzehnten. Vor allem die Situation im Elsass, von Jacky Koch dargelegt, dürfte den meisten deutschen Lesern unbekannt sein. Weitgehend zählt er aber nur die neueren Veröffentlichungen auf, namentlich die Publikationen von Thomas Biller und Bernhard Metz. Unklar bleibt sein Hinweis auf eine französische Monographie zu Hohkönigsburg, die entsprechende Fußnote nennt leider nur ein „Dictionnaire“ „Châteaux forts et fortifications médiévales d’Alsace“. Den Beitrag über den Forschungsstand in der Nordwestschweiz liefern Reto Marti und Christoph Reding, über die Pfalz äußert sich Sabine Klapp.

Der Abschnitt zu den historischen Grundlagen der Region setzt mit archäologischen Grabungen zu Bauten und Siedlungen der Spätantike ein (Ulrich Himmelmann), Werner Meyer behandelt den frühen Burgenbau am südlichen Oberrhein und Erik Beck hochmittelalterliche Burgen sowie die römerzeitliche Besiedlung. Je weitere drei Aufsätze beschäftigen sich mit den Akteuren des Burgenbaus sowie dem Burgenbau selbst. Etwas aus dem Rahmen fällt leider der (zweite) Beitrag Werner Meyers, der sich weitgehend auf Eigenzitate beschränkt und dadurch allenfalls eine Zusammenfassung älterer Veröffentlichungen darstellt. Die Beiträge von Jacky Koch, Reinhard Friedrich und Eva-Maria Butz zu den Burgen wirken dagegen deutlich aktueller und weiterführend, wichtig im Sinn des INTERREG-Projekts, für das die hier veröffentlichte Tagung nur ein Zwischenergebnis darstellt.

Jens Friedhoff und Bernd Carqué behandeln schließlich die Wiederentdeckung der Burgen ab dem zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts, wobei Friedhoffs Aufsatz bis in die Gegenwart ausstrahlt. Craqués Aufsatz bietet zu den Burgenbildern im Elsass und Baden im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts sehr anschauliches und neues Material und darf, selbst wenn es so vielleicht nicht geplant war, als Höhepunkt des Bandes gelten. Dabei wird nicht nur ein Beitrag zu den frühen Burgenillustrationen, sondern eben auch zur frühen Geschichte der Burgenforschung geliefert. Wenn mehr derartige Forschungen durch das Interreg-Projekt zutage gefördert werden, wird es sich gelohnt haben.

Prof. Dr. G. Ulrich Großmann

Nina Gallion/Angela Kaiser-Lahme/Sabine Klapp (Hrsg.), Burgen am Oberrhein. Einheit oder Vielfalt? Nünnerich-Asmus, Oppenheim am Rhein 2025, 352 Seiten, € 30,–.

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