In der Schilderung der Heldentat des jungen Staufers wird schlaglichtartig deutlich, welche Rolle die Burgen als Herrschaftszentren und Herrschaftszeichen des mittelalterlichen Adels gespielt haben: Wenn sie, trotz aller Wehrhaftigkeit, vom Gegner erobert wurden, war damit der Besitzer selbst ins Mark getroffen: Die Burg stand für den Herrn und sollte standhalten.
Im vorliegenden Fall ging es um Burgen der Herzöge von Zähringen, die sich seit der Zeit um 1100 ein weiträumiges Herrschaftsgebiet am südlichen Oberrhein, im Breisgau und in der Ortenau, bis hin zur Baar und zum Neckargau aufgebaut hatten; wenig später sind sie als Rektoren von Burgund (ein für die Zähringer neugeschaffenes Amt des königlichen Stellvertreters) in den Raum zwischen Jura und Genfer See vorgedrungen. Bis zu ihrem Aussterben im frühen 13. Jahrhundert haben die Zähringer diese dominierende Rolle im Südwesten gespielt.
Die Zähringer-Forschung erhielt seit den 1980er Jahren neue Impulse, nicht zuletzt durch die große Freiburger Zähringer-Ausstellung. Hier gerieten auch die Burgen dieses fürstlichen Hauses sowie die Adelssitze der zu ihm gehörenden Gefolgsleute ins Blickfeld. Daraus erwuchsen eine große Studie von Alfons Zettler zu den Zähringer-Burgen im gesamten Herrschaftsgebiet der Herzöge und das Forschungsprojekt „Die Burgen des mittelalterlichen Breisgaus“. Unter der Leitung von Alfons Zettler von der Technischen Universität Dortmund und Thomas Zotz von der Universität Freiburg und unterstützt von der Gerda-Henkel-Stiftung, wird in ihm ein regional ausgerichtetes Burgeninventar erarbeitet, wie es für das Elsass, die Schweiz, für Tirol und die Pfalz bereits vorgelegt worden ist.
Das interdisziplinäre Burgenprojekt ist auf den mittelalterlichen Breisgau in seiner südlichen Ausdehnung bis zum Rheinknie und von hier den Hochrhein entlang bis zur Grenze des Albgaus ausgerichtet; die ganze Epoche der hoch- und spätmittelalterlichen Adelsburg wird dabei in den Blick genommen. In diesem engeren räumlichen Rahmen sollen alle verfügbaren Quellen und Befunde, die baulichen Überreste ebenso wie die historische Überlieferung, namenkundliche Hinweise und archäologische Erkenntnisse genutzt werden, um ein möglichst vollständiges Bild von der Verbreitungsdichte der Burgen im Breisgau zu gewinnen. Diese haben mit ihren Türmen als Zeichen weltlicher Herrschaft die Landschaft und die Wahrnehmung der in ihr lebenden Menschen ebenso geprägt wie die zahlreichen Kirchen.
Es ließen sich für den mittelalterlichen Breisgau rund 300 Burgen unterschiedlicher Lage, Größe und Struktur ermitteln. In dem auf vier Bände geplanten Katalog werden die Burgen in alphabetisch geordneten Ortsartikeln behandelt, wobei mitunter auch mehrere Anlagen an einem Ort existiert haben. Jeder Artikel ist in die topographisch-burgenkundliche Beschreibung und die Darstellung der Geschichte gegliedert; dabei ist es ein Anliegen, die historischen Daten zu einer Burg in den weiteren Horizont von Siedlungs- und Herrschaftsgeschichte der Region einzubinden. Die ersten drei Bände sind in den Jahren 2003, 2006 und 2009 im Thor-becke Verlag erschienen; der vierte Band ist in Vorbereitung.





