von DAVID NEUHÄUSER
Nachts lud er die Mondgöttin, wenn sie in vollem Licht erstrahlte, ständig in seine Umarmung und auf sein Lager ein, am Tage aber redete er insgeheim mit dem Kapitolinischen Jupiter, indem er ihm abwechselnd bald etwas zuflüsterte und dann wieder das Ohr hinhielt, bald wieder laut mit ihm sprach, nicht ohne dabei zu schimpfen.“ So beschreibt der antike Gelehrte Sueton (um 70 – nach 122) den römischen Kaiser Caligula. Er zeichnet das Bild eines Wahnsinnigen, der nicht nur glaubt, er könne mit den Göttern sprechen, sondern der sich auch selbst für einen Gott hält. Vermutlich war es jedoch ganz anders, wie Alyos Winterling in seiner 2003 erschienenen Biographie darlegt. Danach ging der Kaiser mit teils grausamen Mitteln gegen den Senatorenadel Roms vor und wurde von Geschichtsschreibern folgender Generationen, zu denen auch Sueton gehörte, im Nachhinein zum Verrückten erklärt.





