Für die Ausstellung „Venice: Canaletto and his rivals“ wurden 55 Leihgaben aus privatem Besitz sowie öffentlichen Sammlungen aus Europa und Nordamerika zusammengetragen. Zentrales Thema der Ausstellung sind Landschaftsmalereien, die Venedig zeigen. Dabei stechen vor allem die vielzähligen Darstellungen Canalettos ins Auge, die neben Bildern seiner Zeitgenossen wie Luca Carlevarijs, Gaspar van Witell, Michele Marieschi, Bernardo Bellotto oder auch Francesco Guardi angeordnet sind, um auf unterschiedliche Herangehensweisen und Ausführungen der Künstler hinzuweisen. Abgesehen von diesen werden auch Werke weniger bekannter Künstler wie Antonio Joli, Pierto Bellotti, Francesco Tironi und Giambattista Cimaroli, die auf den Markt der britischen „Gran Tour“ reagierten, zu sehen sein. Die „Gran Tour“ war die Bezeichnung für eine seit der Renaissance obligatorische Reise für Söhne des europäischen Adels. Dabei suchten die Adligen unter anderem bedeutende Kunststädte in Mitteleuropa, Spanien, Italien und dem Heiligen Land auf, von denen sie später Gemälde als Erinnerung mitbrachten. Besonders stolz ist die National Gallery auf die große Auswahl von Meisterwerken Canalettos, darunter seine „Ansicht Venedigs von der Riva degli Schiavoni aus“ (1737) und „Der Hof der Steinmetze“ (1727/28). Wie die Werke des Canalettos, stammen auch die übrigen Gemälde, die in der Ausstellung zu sehen sind, aus dem 18. Jahrhundert.
Bezugnehmend auf die Ausstellung über Canaletto, die 1967 in Venedig gezeigt wurde, möchte die National Gallery in London erneut die schönsten Werke des italienischen Künstlers und seiner Zeitgenossen zugänglich machen. Die besondere Begabung Canalettos sowie seine einmalige Darstellungsweise sollen durch Vergleiche mit anderen zeitgenössischen Werken betont werden.
Giovanni Antonio Canal, auch bekannt als Canaletto, wurde 1697 in Venedig geboren und war Sohn und Schüler des Theaterdekorationsmalers Bernardo Canal. Seinen Beinamen Canaletto bezeugt die eigenhändige Unterschrift auf der Zeichnung eines Hofs in Padu, die im Berliner Kupferstich-Museum aufbewahrt wird. Es wird vermutet, dass er sich diesen zugelegt hat, um Verwechslungen seiner Gemälde mit denen seines Vaters zu vermeiden. Im Alter von 20 Jahren ging Canaletto nach Rom und begann dort als Maler zu arbeiten. Nur wenige Jahre später kehrte er jedoch nach Venedig zurück, wo Luca Calavarjis und Marco Ricci das Feld der Landschaftsmalerei beherrschten. Nicht nur durch die malerische Wiedergabe von Wasser und Luft, Sicherheit und Feinheit der Zeichnungen und eine wirkungsvolle Anordnung, sondern vor allem durch eine äußerst genaue und gewissenhafte Wiedergabe der Natur gelang es Canal, sich als Landschaftsmaler in Venedig zu etablieren und bald auch an die Spitze der Szene vorzuarbeiten. Wegen seines Erfolgs schloss sich ihm später unter anderem Francesco Guardi als Schüler an. Als sein treuester Lehrling aber erwies sich sein Neffe, Bernardo Bellotto, der ihm zu Ehren den Namen Canaletto übernahm und deshalb auch häufig mit dem eigentlichen „Canaletto“ verwechselt wird.





