Ihre spannende und tragische Geschichte hat Maria Stuart (1542 bis 1587) zu einer der prominentesten Figuren der britischen Geschichte gemacht. Ihr Leben war von Machtkämpfen, Intrigen und vor allem von dem Konflikt mit einer weiteren berühmten Herrscherin geprägt: Elisabeth I. Denn durch ihre Abstammung besaß Maria ebenfalls einen möglichen Anspruch auf den englischen Thron. Außerdem unterstützen die Gegner des Protestantismus in Großbritannien die Katholikin und so wurde sie zu einer erheblichen Bedrohung für Elisabeth. Als sich Maria in ihrem Machtbereich aufhielt, setzte die englische Monarchin ihre Rivalin dann allerdings fest. So verbrachte Maria 18 Jahre in „privilegierter“ Gefangenschaft auf verschiedenen Schlössern. Doch auch von dort aus mischte sie noch kräftig mit: Sie stand über teils kodierte und heimlich versandte Post in Verbindung mit der Außenwelt. Dies kostete sie allerdings buchstäblich den Kopf: Auf der Grundlage ihrer abgefangenen und dechiffrierten Korrespondenz wurde Maria bezichtigt, an einem geplanten Attentat auf die englische Königin beteiligt gewesen zu sein. Daraufhin wurde sie am 8. Februar 1587 hingerichtet.
Überraschungsfund in einem Archiv
Von der umfangreichen Korrespondenz Maria Stuarts zeugen viele erhaltene Briefe, die in verschiedenen Sammlungen aufbewahrt werden. Es gab allerdings bereits Hinweise darauf, dass einige verloren gegangen sind – oder möglicherweise wegen ihrer Chiffrierung unentdeckt in Archiven schlummern könnten. Wie sich nun zeigt, war genau dies der Fall. Die Entdeckung ist dabei dem Projekt “DECRYPT“ zu verdanken. Darin widmen sich verschiedene Experten der Aufgabe, bisher mysteriöse Texte aus Sammlungen zu entschlüsseln und somit ihre Geheimnisse aufzudecken. Im Visier des Kryptoanalytikers George Lasry und seiner Kollegen standen nun ein mysteriöses Set aus komplett chiffrierten Texten aus der französichen Nationalbibliothek. Laut Katalog stammten sie aus dem 16. Jahrhundert. Sie waren durch ein System kodiert, bei dem bestimmte grafische Symbole für Buchstaben, Silben oder ganze Wörter stehen.
Durch moderne computergestützte Techniken gelang es den Experten Stück für Stück, die Texte zu entschlüsseln. Ihre Detektivarbeit enthüllte dabei zunächst Begriffe in der weiblichen Form, mehrere Erwähnungen von „Gefangenschaft“ sowie des Namens “Walsingham” – des „Spionage-Chefs“ von Queen Elizabeth I. Dies deutete auf einen Zusammenhang mit Maria Stuart hin, der sich schließlich immer mehr erhärtete. “Als ich die Buchstaben entzifferte, war ich ganz aufgeregt”, so Lasry. “Wir haben schon früher geheime Codes von Königen und Königinnen geknackt. Aber dies war eine besonders aufregende Entdeckung.” Es zeichnete sich schließlich ab, dass das Team 50 chiffrierte Briefe der berühmten Königin entdeckt hat, die bisher unbekannt waren.





