Wann begannen die Chinesen mit dem Brauen?
Der älteste dokumentierte Beleg für die Kunst des Bierbrauchens in China stammte bisher aus einer Orakelschrift der Shang-Dynastie. Nach dieser Beschreibung nutzten die Menschen im 11. bis 13. Jahrhundert v. Chr. für ihr Bier bereits gemälzte Getreidekörner darunter Hirse und Gerste oder Weizen als Hauptzutaten.
Einige Historiker vermuteten aber bereits, dass die Ursprünge dieser damals schon gut etablierten Brautradition deutlich älter sein könnten. Denn die Herstellung von alkoholischen Getränken durch die Fermentation von Reis begann bereits vor rund 9000 Jahren und schon vor rund 7000 Jahre gab es in den fruchtbaren Ebenen rund um den Gelben Fluss eine großangelegte Landwirtschaft. Belege für ein echtes Bierbrauen aus dieser Zeit fehlten bisher jedoch.
Steinzeitliche Biermacher-Werkstatt
Genau diese haben nun Jiajing Wang von der Stanford University und seine Kollegen in der nordchinesischen Provinz Shaanxi entdeckt. Bei Ausgrabungen in Mijiaya auf einer Terasse über dem Chan-Fluss stießen sie auf zwei unterirdische Gruben aus der Zeit von 3400 bis 2900 v. Chr., deren Form und Ausstattung in gleich mehrfacher Hinsicht an eine Bierbrauerei erinnerten.
So fanden die Forscher drei verschiedenen Arten von Gefäßen: Töpfe mit weitem Hals, Trichter und Amphoren-ähnliche Gehälter, an deren Innenseiten sich jeweils ein gelblicher Belag abgesetzt hatte. “Die Form und der Stil der Gefäße passen gut zu drei spezifischen Stadien im Bierbrauprozess: dem Brauen, der Filtration und der Lagerung des fertigen Bieres”, erklärt Wang. Interessanterweise enthielt jede Grube zudem einen Ofen. Diese könnte dafür genutzt worden sein, um die Maische auf optimale Temperatur zu erhitzen. “Unsere Vermutung ist, dass die Fundstücke dieser beiden Gruben eine Art Biermacher-Werkstatt repräsentieren”, sagt Wang.
Verräterische Stärke-Rückstände
Um herauszufinden, ob sie mit ihrer Vermutung richtiglagen, analysierten die Forscher als nächstes den gelblichen Belag in den Gefäßen. Und tatsächlich: Schon bei mikroskopischen Untersuchungen waren sowohl in den Trichtern als auch in den Fragmenten der anderen Gefäße Körner aus Pflanzenstärke zu erkennen. Anhand ihrer Form identifizierten die Wissenschaftler Bestandteile von Hirse, Gerste, dem in Asien heimischen Hiobstränengras (Coix lacryma-jobi) und von einigen Pflanzenwurzeln, darunter dem Schlangenkürbis und der Lilie.
Viele der Körner wiesen zudem auffallende Gruben auf ihrer Oberfläche auf, andere erschienen aufgequollen. “Diese beiden Schadensmuster passen genau zu den Veränderungen, die beim Mälzen und Maischen während des Bierbrauens an den Stärkekörnern des Getreides auftreten”, erklären die Forscher. “Während des Mälzens brechen Enzyme der keimenden Getreidekörner die in ihnen enthaltene Stärke auf, das Erhitzen im Wasser führt zudem zum Aufquellen und Verformen der Stärkekörner.” Nach Ansicht der Archäologen spricht der Zustand der in den Gefäßen von Mijiaya entdeckten Stärke-Ablagerungen daher sehr dafür, dass es sich dabei um Rückstände des Brauprozesses handelt.





