Den Kupferstecher und Grafiker Daniel Chodowiecki (1726 – 1801) galt als einer der führenden Künstler seiner Zeit. Ihn und den Dichter Gleim verband eine gegenseitige Wertschätzung. Unter anderem fertigte er Illustrationen zu einigen Fabeln aus Gleims Feder an. Dass er auch ein Porträt des Poeten angefertigt hat, wurde erst durch eine Zeichnung aus der Sammlung des Stuttgarter Industriellen Alfred Wolf bekannt.
Das Porträt zeigt Gleim als Büste. Seit dem Barock war dies eine Darstellungsart, die besondere Würdigung zum Ausdruck bringen sollte. Der Abbildung als Skulptur setzte Chodowiecki jedoch lebendige Akzente entgegen: So färbte er Augenbrauen und Iris, so dass diese wiederum natürlich wirken. Der Zeichner spielt dabei mit dem Gegensatz aus der würdevollen Zeitlosigkeit der Büste und dem lebhaften Gesichtsausdruck. Dies ist als humorvolle Anspielung auf den Pygmalion-Mythos zu sehen, die antike Geschichte vom Bildhauer, dessen Aphrodite-Statue zum Leben erwacht. Diese Prise Komik entspricht dabei ganz dem Geist Gleims, der für seine humorvollen Dichtungen bekannt war.
Mit finanzieller Unterstützung der Halberstädter Familie Rimpau konnte das Gleimhaus die Zeichnung nun seiner Sammlung hinzufügen. In der Sonderausstellung über die Porträtkunst der Aufklärung wird sie neben weiteren Bildnissen des Dichters, der als Porträtsammler bekannt war, erstmals öffentlich ausgesellt.





