Die Tradition des geschmückten Weihnachtsbaums reicht schon Jahrhunderte zurück, wie die Historikerin Sandra Müller-Tietz von der Universität Bonn erklärt: “Den Quellen nach holten sich bereits im 15. Jahrhundert Menschen in der kalten und dunklen Jahreszeit etwas Grün ins Haus. Die Bräuche waren aber nicht auf die Tanne festgelegt. Auch Stechpalme, Eibe oder Buchsbaum kamen zum Einsatz.” Im 16. Jahrhundert etablierte sich dann der Weihnachtsbaum im deutschsprachige Raum, zunächst nur bei Protestanten, später dann auch bei Katholiken.
Den Anfang machten Leckereien
Aus Deutschland trat der Weihnachtsbaum im 19. Jahrhundert seinen Siegeszug in die Welt an. Dazu trugen vor allem deutsche Auswanderer bei. In Großbritannien brachte Albert von Sachsen-Coburg-Gotha, der Ehemann von Queen Victoria, die Tradition des deutschen Weihnachtsfestes mitsamt Baum an den englischen Hof. “In der Weihnachtsausgabe der Illustrated London News aus dem Jahr 1848 sind Prinz Albert und Queen Victoria vor einem mit Kerzen, Süßigkeiten und Spielzeugen geschmückten Weihnachtsbaum zu sehen”, berichtet Müller-Tietz. “Der dazu veröffentlichte Artikel zeigt aber, dass den Lesern noch erklärt werden musste, was es mit einem solchen Baum auf sich hatte.”
Die Dekoration des Weihnachtsbaumes hat sich im Laufe der Zeit aber immer wieder gewandelt. Anfangs dekorierte man die Bäume mit Nüssen, Obst, Gebäck, Oblaten und Basteleien aus Papier. Neben diesen meist essbaren Dekorationen hat man auch schon recht früh Gold verwendet und zum Beispiel vergoldete Nüsse aufgehängt. Während dieser Baumschmuck in der Regel noch selbstgebastelt wurde, konnte man etwa ab dem 18. Jahrhundert auch spezielles Zubehör auf Weihnachtsmärkten kaufen. “Es gab dort Krippenfiguren, Baumschmuck und Rauschgoldengel”, erklärt die Historikerin. “Die Kerzen kamen erst ein bisschen später dazu, im ausgehenden 18. Jahrhundert.” Lametta und Christbaumkugeln begann man Mitte des 19. Jahrhunderts herzustellen.
Glaskugeln, Goldfolie und patriotische Figuren
Im 19. Jahrhundert hat auch ein Klassiker des Christbaumschmucks seinen Ursprung: die Baumkugeln. “Dieser Baumschmuck aus Glas stammt ursprünglich aus Thüringen, genauer gesagt auf die Glashütten in Lauscha”, so Müller-Tietz. “Anfangs imitierte der gläserne Christbaumschmuck noch die essbaren Dinge, die man sonst typischerweise an den Baum gehängt hatte, wie Nüsse und Äpfel. Spätestens für das Jahr 1860 gibt es gesicherte Nachweise über Glaskugeln als Christbaumschmuck.” Ab 1870 wurden diese Kugeln auch von innen verspiegelt, so wie wir es heute kennen. Baumschmuck aus Goldfolie und anderem sogenannten Luxuspapier gab es ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Er wurde anfangs vor allem in Dresden gefertigt, wie die Historikerin erklärt.





