Die Clovis-Menschen gelten als die älteste auf dem gesamten nordamerikanischen Kontinent verbreitete Kultur und als Vorläufer der meisten indianischen Völker. Diese Jäger und Sammler lebten dort schon vor etwa 13.000 Jahren. Besonders im Süden und Mittleren Westen der USA finden sich noch heute Speerspitzen und charakteristischen Steinwerkzeuge dieser Eiszeitmenschen.
Spezialisierte Jäger oder breit aufgestellte Sammler?
Strittig war bisher jedoch, was hauptsächlich auf dem Speiseplan der Clovis-Menschen stand: “Einige Forscher gehen davon aus, dass die Clovis-Menschen vorwiegend auf die Jagd von Megafauna spezialisiert waren, insbesondere der Mammuts”, erklären James Chatters von der McMaster Universität in Ontario und seine Kollegen. In diesem Zusammenhang besteht auch die Frage, inwieweit diese frühen Besiedler Amerikas eine Mitschuld an dem Verschwinden der nordamerikanischen Megafauna hatten. “Andere Forscher argumentierten hingegen, dass sie mit einer solchen engen Anpassung nicht überlebensfähig gewesen wären und die Clovis-Populationen daher wahrscheinlich Jäger und Sammler mit breitem Nahrungsspektrum waren”, so Chatters und sein Team.
Mehr Klarheit liefern nun Isotopenanalysen der Gebeine eines vor rund 12.500 Jahren gestorbenen Kleinkinds der Cloviskultur. Dieses rund 18 Monate alte Kind wurde vor etwa 12.700 Jahren zusammen mit Grabbeigaben nahe Anzick in Montana bestattet und ist einer von nur drei bisher bekannten Toten der Clovis-Kultur. Für ihre Studie werteten Chatters und seine Kollegen Daten zu Stickstoff- und Kohlenstoffisotopen aus, die in Knochen und Zähnen dieses Kinds konserviert waren. „Isotope liefern einen chemischen Fingerabdruck der Ernährung eines Menschen und können mit denen möglicher Nahrungsquellen verglichen werden, um den proportionalen Beitrag verschiedener Nahrungsmittel zu schätzen“, erklärt Co-Autor Mat Wooller von der University of Alaska in Fairbanks. Da das Clovis-Kind noch gestillt wurde, geben seine Isotopenwerte indirekt Auskunft über die Ernährung der Mutter.
Speiseplan wie eine Säbelzahnkatze
Die Auswertungen ergaben, dass der Speiseplan der Mutter rund 40 Prozent Mammutfleisch enthielt, der Rest entfiel auf weitere eiszeitliche Großsäuger wie Elche und Bisons. Kleinsäuger spielten mit nur rund vier Prozent Anteil hingegen eine geringe Rolle für die Ernährung dieser Clovis-Frau, wie die Forschenden ermittelten. “Dies spricht für einen starken Fokus auf Megafauna als Beute. In dieser Hinsicht kann die Ernährung der Clovis-Mutter von Anzick direkt mit der anderer Fleischfresser mit spezifischen Nischen verglichen werden”, schreiben Chatters und seine Kollegen. In Bezug auf ihren Speiseplan ähnele diese Clovis-Frau am stärksten den eiszeitlichen Säbelzahnkatzen, die ebenfalls auf Mammuts und andere Megafauna als Beute spezialisiert waren.





