Die erste Ausstellung ist dem Kind gewidmet, vom Tag seiner Geburt an bis zum Eintritt in die Pubertät. Seit der Antike wurde das menschliche Leben mit den vier Jahreszeiten in der Natur verglichen. Mit der Geburt beginnt analog zur Natur der ewig wiederkehrende Kreislauf vom Wachsen, Blühen, Reifen und Sterben. Wie gefahrvoll bereits Schwangerschaft und Geburt für Mutter und Kind waren, und wie risikoreich das Überleben in den ersten Lebensjahren war, zeigt eine Vielzahl von Hilfsmitteln und Amuletten, die das kleine Kind vor allen wirklichen und vermeintlichen Gefahren schützen soll. Ärztliche Hilfe wurde bei Kindern nur in Ausnahmefällen von wohlhabenderen Familien in Anspruch genommen. Votivtafeln aus der niederbayerischen Wallfahrtskirche Heiligenberg geben ein beredtes Zeugnis über die Ängste und Hilflosigkeit der Eltern ab, wenn es darum ging, dem kranken Kind wieder zur Gesundheit zu verhelfen. Seit dem 19. Jahrhundert unterrichteten die ersten medizinischen Ratgeber die Mütter in der Säuglings- und Kinderpflege. Doch blieb die hohe Kindersterblichkeit bis ins frühe 20. Jahrhundert ein ungelöstes Problem. Kindersterbebilder und Erinnerungsstücke, wie ein über Jahrzehnte auf – bewahrtes Kleidchen der verstorbenen kleinen Tochter, sind Zeichen der lange währenden Trauer der Familie um ihre Jüngsten.
Dem Kleinkindalter kaum entwachsen, war es meist selbstverständlich, dass Kinder in die alltäglichen Arbeitsabläufe der Familie in Landwirtschaft, Handwerk und Betrieb integriert wurden und ihren Beitrag dazu leisteten. In den ärmsten Bevölkerungsschichten mussten Kinder nicht selten sehr früh das Elternhaus verlassen, um als Hütebuben oder Kindsmägde selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Zu allen Zeiten wurden Kinder nicht nur geliebt, sondern auch vernachlässigt, unterdrückt und verlassen. So bleiben Erinnerungen an eine ›schwere‹ oder eine ›glückliche‹ Kindheit zurück.
Die Ausstellung geht dem Wandel der gesellschaftlichen Voraussetzungen und der Sichtweise der Erwachsenen auf die Welt der Kinder nach. Anhand historischer Kinderkleidung, darunter eine wertvolle Sammlung von Taufkleidern und Wickelbändern aus dem Bestand des Museums, sowie Alltagsgegenständen wie Möbeln, Spielzeug, Gemälden und Fotografien veranschaulicht die Ausstellung die Bedingungen, unter denen Kinder in den vergangenen Jahrhunderten aufwuchsen, womit sie sich beschäftigten und welcher Platz für sie in der Gesellschaft vorgesehen war.





