Etwa 1000 Bundesbürger aus Ost und West wurden für das Projekt befragt. Ihre Geschichten spiegeln die Erlebnisse einer ganzen Generation in den Wendejahren 1989/1990. Dem Zuschauer begegnet dabei eine Vielzahl von interessanten Charakteren, originellen Lebensentwürfen aber auch enttäuschten Hoffnungen. Auch prominente Zeitzeugen kommen zu Wort, die den Prozess der Wiedervereinigung mitbestimmten und begleiteten. Um die Ereignisse aus möglichst vielen Perspektiven einzuordnen, wurde neben der DDR-Wirtschaftsministerin und späteren PDS-Bundestagsabgeordneten Christa Luft auch der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg Lothar Späth befragt, der 1991 von der Politik an die Spitze der Jenoptik GmbH nach Thüringen wechselte. Thilo Sarrazin, damals Leiter des Referats „Innerdeutsche Beziehungen“ im Bundesfinanzministerium, erinnert sich an die finanzpolitischen Entscheidungen im Prozess der Wiedervereinigung und nimmt Stellung zu der bis heute heftig umstrittenen Einführung der D-Mark in Ostdeutschland im Verhältnis 1:1.
Bereits in ihrem ersten Teil „Freiheit und Auflösung“, der im November 1989 ansetzt, konzentriert sich die Dokumentation nicht allein auf die allseits bekannten Berliner Straßenszenen und freudvollen Begegnungen von Ost und West, sondern nimmt gezielt auch andere Perspektiven ein. So erinnert sich Hanns-Christian Catenhusen, der damals erst seit ein paar Tagen den Grundwehrdienst leistete, wie er den Mauerfall erlebte und bei dem Befehl „Erhöhte Gefechtsbereitschaft!“ mit dem Ernstfall rechnen musste. Währenddessen erkannten andere bereits den ökonomischen Wert der überflüssig gewordenen Berliner Mauer: Schnell begannen sie, Mauerreste abzutragen und als Souvenirs zu verkaufen. Die anderen drei Teile der Dokumentationsreihe verfolgen die Entwicklung im Wendejahr weiter und helfen, die trockenen Geschichtsdaten durch persönliche Einzelbeispiele lebendig zu machen. Neben den Vorgängen in der ehemaligen DDR wie dem Weg zu freier Presse oder die Währungsumstellung am 1. Juli 1990 berücksichtigt die Reihe auch den zunehmend skeptischen Blick der Westdeutschen auf die gesellschaftlichen Umbrüche und das schnelle Tempo der Wiedervereinigung.
Die vierteilige Dokumentation zielt nicht darauf, den politischen Einheitsprozess lückenlos nachzuvollziehen, sondern widmet sich anhand vieler Einzelschicksale den Veränderungen, Chancen und Enttäuschungen Beteiligter aus Ost- wie aus Westdeutschland. Die Reihe wird vom heutigen 13. September an jeweils montags um 21.00 Uhr im Ersten ausgestrahlt.
Bildunterschrift: Mit dem Verkauf von Mauerbruchstücken verdiente der Berliner Alwin Nachtweh sich seinen Lebensunterhalt. (Rechte: MDR/LOOKS Film & TV)





