Am 29. Januar 1886 kam es zu einem Ereignis, das den Lauf der Geschichte verändert sollte: Dieses Datum gilt als der Geburtstag das Autos – Carl Benz erhielt das Patent für sein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Dies war allerdings nur die erfolgreichste Entwicklung, denn Benz war nicht der Erste, der ein selbstfahrendes Objekt gebaut hat. Prinzipiell hatten bereits andere Erfinder Wagen mit Verbrennungstechniken in Bewegung gesetzt und es gab zuvor auch schon Versionen auf der Basis von Dampftechnik. Doch diese frühen Entwicklungen gerieten in Vergessenheit. Dies gilt auch für das älteste Beispiel, berichtet die Technischen Hochschule Ingolstadt (THI): Der belgische Jesuitenpater und Gelehrte Ferdinand Verbiest (1623 bis 1688) konstruierte bereits vor knapp 350 Jahren ein selbstfahrendes Gerät.
„Selbst-Beweger“ mit Dampf-Technik
Herumfahren konnte man mit der nur 60 Zentimeter langen und 30 Zentimeter breiten Maschine auf vier Rädern allerdings nicht. Der Transport von Menschen oder Lasten war aber auch nicht das Ziel von Verbiest, der damals am chinesischen Kaiserhof in Peking lebte. Mit dieser Geschichte hat sich der Ingolstädter Historiker Gerd Treffer genauer befasst. Wie er erklärt, ging es dem Jesuitenmissionar und Gelehrten um den Beweis, dass das Prinzip des „Selbst-Bewegers“ mit Dampf funktioniert. Das kleine Gefährt sollte dabei dem chinesischen Kaiser imponieren und zeigen, zu welch technischen Leistungen der Westen fähig war, erklärt Treffer.
Die Funktion des Geräts basierte auf dem Rückstoß-Effekt von aus einer Düse austretendem Wasserdampf. Überlieferungen zufolge war dieses Prinzip schon in der Antike bekannt: Der frühe Ingenieur Heron von Alexandria konstruierte einen Ball, der sich zischend drehte – die erste bekannte Wärmekraftmaschine der Geschichte. Sie wurde jedoch nicht als solche verstanden und genutzt. Verbiest ging zumindest einen Schritt weiter: Er setzte den Dampfdruck in die Bewegung von Rädern um. So drehte seine Konstruktion, gesteuert von einem ruderartigen fünften Rad, seine Runden im Kaiserpalast. Wie Treffer berichtet, hat Verbiest für seine Ordensoberen alle wissenschaftlichen Leistungen der Jesuiten in China in einem Buch zusammengefasst, das damals in Dillingen gedruckt wurde. Es enthält auch eine Beschreibung des kleinen Wagens.
Beschreibung in einem historischen Druck aus Dillingen
Dort heißt es: „In seine Mitte stellte ich ein Becken voller glühender Kohlen und über dieses Behältnis eine Aeolopile; mit der Achse der Vorderräder verband ich ein bronzenes Zahnrad, dessen Zähne, quer liegend und horizontal, in ein anderes kleines Rad eingriffen, das an einer – senkrecht zum Horizont stehenden – Achse befestigt, dergestalt wirkte, dass sich, wenn sich die letztgenannte Achse drehte, der Wagen bewegte”, schrieb Verbiest. Wie er weiter erklärt, hat er dieser Achse ein weiteres Rad beigefügt, das außen mit Wind einfangenden Strukturen versehen war. „Auf sie drückend drehte der von einer engen Düse der Aeolopile ausgestoßene Wind das ganze Rad und trieb zugleich den Wagen an, der eine Stunde und mehr in ziemlich rascher Art fuhr.“






