Dies war offenkundig eine Kompromisslösung. Einerseits wollte die internationale Gemeinschaft einen unabhängigen polnischen Staat errichten und Polen einen Zugang zur Ostsee verschaffen, andererseits das Gebiet nicht ganz gegen den Willen der mehrheitlich deutschen Bevölkerung Polen zuweisen. Dies hätte dem Prinzip nationaler Selbstbestimmung widersprochen, das bei der Klärung territorialer Fragen nach dem Krieg bestimmend sein sollte. Polen erhielt aber zahlreiche Einrichtungen, darunter die Bahn, die Post und ein Munitionslager auf der Westerplatte im Nordwesten der Stadt. Danzig bekam eine eigene Währung, Briefmarken und sogar eine amtliche Hymne. Der Völkerbund fungierte vor allem als Schiedsinstanz, wenn, wie dies in der Folgezeit häufig geschah, Konflikte unter den polni‧schen, deutschen und kaschubischen Bewohnern auftraten. Trotzdem blieb es lange Zeit in Stadt und Umland friedlich, bis 1939 die Nationalsozialisten Danzig widerrechtlich dem Deutschen Reich einverleibten.





