Die Seehandelsstadt Hamburg ist seit Jahrhunderten ein bedeutender Umschlagplatz für Gewürze, Kaffee, Trockenfrüchte und sonstige „Spezereien“ aus dem Orient. Dazu gehören auch Mandeln, Zucker und das Rosenwasser als Hauptbestandteile des Marzipans. Deshalb siedelten sich in Hamburg, Altona, Königsberg und in Lübeck schon frühzeitig Marzipanfabriken an, die ihre Produkte in ganz Europa verkauften.
Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte Marzipan eine neue Blüte. Die Formenschneider Carl Schröder in Lübeck und Berthold Keinke in Hamburg schufen neuartige, reproduzierbare Marzipanmodel aus Schwefel, mit deren Hilfe Marzipanbilder und vollplastische Marzipanfiguren sehr einfach herzustellen waren. Insbesondere die Tortenbilder mit Städteansichten erfreuten sich bald in ganz Deutschland großer Beliebtheit.
Die Bedeutung dieser Marzipanbilder und -figuren zur damaligen Zeit zeigt sich in diesem umfangreichen Formenbestand, der nur durch einen entsprechend bedeutenden Marzipanumsatz und zahlungskräftige Kundschaft zu erklären ist. Die glorreiche Zeit der Schwefelmodel endete 1950, als das Material im Konditoreihandwerk verboten wird. Damit schien der Boom der Marzipantorten in Hamburg erloschen zu sein.





