Währenddessen tobte in Gallien ein brutaler Eroberungskrieg (über den Markus Schauer bereits eine Darstellung bei C. H. Beck vorgelegt hat). Die Signatur der Epoche aber ist der Pakt, den drei starke Männer Ende 60 v. Chr. schlossen, damit nichts im Gemeinwesen geschehe, was einem von ihnen dreien missfiele, wie Caesars Biograph Sueton formuliert.
Markus Schauer, Professor für Klassische Philologie an der Universität Bamberg, hat ein Porträt dieser Epoche entworfen. Der Titel „Triumvirat“ lässt kundige Leser zunächst an ein anderes Dreierbündnis denken: das sogenannte zweite Triumvirat mit Antonius, Lepidus und dem jungen Caesar als Protagonisten. Dazu hätte auch der Untertitel „Der Kampf um das Imperium Romanum“ gepasst. Dass Schauers Hauptakteure Caesar, Pompeius und Crassus sind, ist deshalb überraschend, aber nicht unwillkommen: Die Zeit ist durch Quellen gut dokumentiert und allemal gut geeignet für eine episch-erzählende Darstellung.
Eine solche liefert Schauer, und was er auf rund 400 Seiten zu erzählen hat, kann sich sehen lassen. Das Buch beginnt mit dem großen Frustrationsmoment der drei ehrgeizigen Staatsmänner Crassus, Pompeius und Caesar, die jeder für sich im Jahr 60 v. Chr. von der Senatsmehrheit ausgebremst wurden und nach Mitteln und Wegen suchten, den Widerstand zu brechen. Erst dann holt Schauer weit aus und wendet sich Betrachtungen über die Quellen zu, insbesondere über antike Historiographie und Biographik, deren personenzentrierte Perspektive der moderne Historiker aufbrechen und „als soziales Konstrukt entlarven“ müsse.
Schauers Deutungsrahmen ist der eines Schachspiels. Es hat Spieler, Figuren, ein Spielfeld und Regeln. Die Konstellationen, in denen die Figuren auf dem Spielfeld stehen, sind ebenso dem Wandel unterworfen wie die Regeln, nach denen gespielt wird. Hier endet also die Analogie: Die erfolgreichsten Spieler der späten Republik standen allesamt vor dem Problem, die Regeln so zu ändern, dass sie zu der Figurenkonstellation passten, die sie dem Schachbrett aufgezwungen hatten.
Doch wer sind die Spieler? Schauer geht weit in die Vorgeschichte zurück, um zu zeigen, welch exzeptionelle Akteure Caesar, Pompeius und Crassus selbst gemessen an den hohen Standards der senatorischen Elite waren. Sie drückten der Epoche ihren Stempel auf und scheiterten doch alle, einer nach dem anderen. Der Philologe Schauer ist ein besserer Geschichtenerzähler als mancher Historiker. Er schöpft den an sich schon dramatischen Stoff bis zur Neige aus. Seinen Lesern bereitet diese schaurig-schöne Geschichte der untergehenden Republik unbändiges Vergnügen.
Rezension: Prof. Dr. Michael Sommer
Markus Schauer
Triumvirat
Der Kampf um das Imperium Romanum
Verlag C. H. Beck, München 2023, 429 Seiten, € 32,–





