Anders als der erste Band ist der zweite nicht mehr chronologisch gegliedert, sondern nach Themenbereichen. In sieben Kapiteln behandelt Evans den Aufbau des Polizeistaates, Propaganda und Kultur (mit Presse, Kunst, Architektur und Musik), Religion und Bildung (mit dem Kirchenkampf), die Wirtschaft, die Gesellschaft (mit Abschnitten über die Bauern, die Mittelschichten und das Proletariat), die Rassenpolitik und ganz am Schluß erst die Außenpolitik, obwohl der Wille zu einem Krieg, wie Evans betont, alles andere beherrschte. Die in sich meist chronologisch gegliederten Sachkapitel sind äußerst detailliert, farbig und kenntnisreich, wozu Auszüge aus Tagebüchern und sogar zeitgenössische Witze beitragen. Evans stützt sich auf die vielen inzwischen vorliegenden Einzelstudien und zieht Vergleiche mit anderen Ländern. Er hält sich frei von dem, wie er einmal kritisiert, „empörten Ton moralischer Verurteilung“. Die Zigeuner nennt er „Zigeuner“ und nicht wie in Deutschland üblich „Sinti und Roma“. Solche Unabhängigkeit flößt Vertrauen ein. Dennoch ist die thematische Struktur das große Problem des Werks. Sie verhindert eine durchgehende Erklärung. Daran indessen liegt Evans weniger als an einer Erzählung.
So ergibt sich ein eindrucksvolles, aber eher impressioni-stisches Bild jener sechs Jahre von 1933 bis 1939. Es wird deutlich, daß die Nazis oft am Unwillen der Bevölkerung scheiterten und diese doch sowohl kriegsfähig wie kriegsbereit machten. Wie und war-um das so kam, das überläßt Evans dem Urteil der Leser.
Rezension: Jäckel, Eberhard





