Als im Jahr 2020 in vielen Ländern Denkmäler von Personen, die den Kolonialismus vorangetrieben hatten, von ihren Sockeln gestürzt wurden, blieb auch die Statue Winston Churchills in der Nähe des britischen Parlaments nicht unbehelligt. Jemand ergänzte den Namenszug um den aufgesprühten Zusatz „was a racist“. In der Tat sind von Churchill zahllose rassistische Äußerungen überliefert. Berüchtigt war seine Kampagne der 1930er Jahre gegen die Unabhängigkeit Indiens, in deren Verlauf er Mahatma Gandhi als einen halbnackten Fakir und bösartigen, subversiven Fanatiker beschimpfte. Noch kurz vor Ende seiner zweiten Amtszeit als Premierminister äußerte er 1954 gegenüber einem Besucher, er könne sich nicht vorstellen, dass schwarze Menschen ebenso fähig und effizient sein könnten wie weiße.
In einer Zeit, in der die Ablösung der Kolonien vom „Mutterland“ schon längst begonnen hatte, machten solche Äußerungen Churchill zum Relikt einer überholten Vorstellung vom britischen Empire. Sie verwiesen zurück auf seine Jugend in der spätviktorianischen Ära – eine für ihn prägende Zeit, in der imperialer Stolz zum selbstverständlichen Bestandteil der Nationalidentität vieler Briten gehört hatte. Damit einher ging die Überzeugung von der eigenen Überlegenheit gegenüber den Kolonisierten.





