Gemeinsam mit Marcus Antonius stand Kleopatra kurz davor, die Geschicke im Römischen Reich entscheidend zu ihren Gunsten zu wenden. Doch Oktavian, der spätere Augustus, machte den beiden in der Seeschlacht von Actium 31 v. Chr. einen Strich durch die Rechnung.
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Oktavians Beschuldigungen, Kleopatra sei die treibende Kraft hinter Antonius und der Kollege im Triumvirat der Agent einer feindlichen Macht, glaubten viele Römer nur zu gerne. Ganz Italien, „tota Italia“, habe auf seine Person einen Eid abgelegt, wird Augustus später in seinen „Res gestae“, dem gegen Ende seines Lebens verfassten Tatenbericht, zu Protokoll geben. Und das völlig ohne Zwang: „Sua sponte“, aus eigenem Antrieb, habe sich die Halbinsel hinter ihm versammelt.
Dass Oktavian die Lufthoheit über den Informationsraum besaß, half allerdings kräftig mit. Im Herbst 33 v. Chr., nach dem Ende des Armenienkrieges, hatten Antonius und Kleopatra ihr Hauptquartier in Ephesos aufgeschlagen. Darüber, was dort geschah, machten wilde Gerüchte die Runde: Kleopatra habe sich von Antonius als seine Königin und Gebieterin anreden lassen, ihr Name habe auf den Schilden der Soldaten gestanden, Kleopatra reite neben Antonius, sie sitze neben ihm, wenn er Gericht halte. Wo er war, da war auch sie: auf Festen, Versammlungen und im Heerlager.
Waren womöglich gar verbotene Substanzen im Spiel, mit denen die Königin sich Antonius gefügig machte? Die Intellektuellen in Oktavians Umkreis raunten, Kleopatra lege es auf die feindliche Übernahme des römischen Imperiums an: „Als Preis forderte sie die römischen Mauern“, reimte etwa der Dichter Properz (um 50–nach 16 v. Chr.).
Obwohl seine Berater darauf drangen, Kleopatra auf Distanz zu halten, soll sich Antonius immer mehr in ihre Arme geworfen haben. Von weiteren Landschenkungen war die Rede. Auch von wüsten Gelagen erzählte man sich. Es hieß, der Senator Munatius Plancus habe vor Antonius und Kleopatra eine Tanzeinlage dargeboten: verkleidet als Meeresgott Glaukos, grün geschminkt, splitternackt und mit einem Fischschwanz!
Während solche Schauermärchen in Italien kursierten, wurde für den bevorstehenden Waffengang gerüstet. Antonius und Kleopatra schlugen ihr Hauptquartier im Frühjahr 32 v. Chr. auf der Insel Samos im Ägäischen Meer auf. Dort machten ihnen zahlreiche Fürsten des Orients die Aufwartung, nicht ohne Truppen und Kriegsgerät für den bevorstehenden Bürgerkrieg beizusteuern. Im Mai befand sich das Paar in Athen. Die griechische Stadt konnte sich über großzügige Geschenke freuen. Von hier aus sandte Antonius auch Octavia den Scheidebrief nach Rom.
Der offizielle Kriegsgegner ist die ägyptische Königin
Unterdessen zog Oktavian in Rom das Priestergewand der Fetialen an und schleuderte einen Speer auf das Tempelgrundstück der Göttin Bellona. Das war die offizielle Kriegserklärung. Wohlgemerkt nicht an Antonius, denn Oktavian legte großen Wert darauf, dass hier kein Bürgerkrieg geführt wurde, sondern der legitime Verteidigungskampf gegen einen auswärtigen Feind: Kleopatra.
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Möglicherweise hatte Antonius wirklich vor, in Italien zu landen und Oktavian dort zu schlagen, doch kam sein Aufmarsch in Griechenland dafür viel zu langsam voran. Als er sein Heer mobilisiert hatte, stand bereits der Herbst mit seinen Stürmen vor der Tür.
Von einer Landung an der Adriaküste konnte jetzt keine Rede mehr sein, und so lagerten die rund 100 000 Mann Infanterie und 12 000 Reiter an der Westküste Griechenlands zwischen Korfu und Messenien. Seine Flotte aus 500 Schiffen hatte Marcus Antonius im Golf von Ambrakia in Nordwestgriechenland zusammengezogen. Das Winterlager schlugen er und Kleopatra in Patrai (Patras) auf.
Oktavian und sein General Marcus Agrippa ließen ihr Heer in Apulien aufmarschieren. Es war zahlenmäßig etwas schwächer als die Armee des Gegners: 80 000 Fußsoldaten und 12 000 Reiter kommandierte Agrippa, dazu etwa 400 Schiffe.
Im zeitigen Frühjahr 31 v. Chr. setzte Oktavian mit einem kleinen Geschwader aus Liburnen, leichten, in Küstengewässern manövrierfähigen Schiffen, nach Griechenland über und nahm die Festung Methone auf der Peloponnes im Handstreich ein. Er landete an mehreren Stellen in Westgriechenland und besetzte strategische Punkte. Schließlich setzte Oktavian mit dem Gros des Heeres nach Epirus über, eroberte die Stadt Kerkyra auf Korfu und rückte südwärts auf den Golf von Ambrakia vor, wo Antonius’ Flotte vor Anker lag.
Auf diese Nachricht hin verließen Kleopatra und Antonius ihr Quartier in Patrai. Antonius ließ die Truppen das Lager auf einer Halbinsel aufschlagen, die südlich des Durchlasses zwischen dem Golf von Ambrakia und dem Ionischen Meer liegt.
Ihr gegenüber im Norden befindet sich die Halbinsel Preveza. Hier errichtete Oktavian sein Lager. In einer nahen Bucht ankerte die Flotte. Vor Stürmen geschützt war sie hier nicht. Agrippa löste dieses Problem, indem er die Insel Leukas (Lefkada) eroberte. Oktavians Schiffe verfügten jetzt über einen sicheren Hafen, von dem aus sie die Einfahrt zum Golf von Ambrakia sperren konnten: Antonius und seine Schiffe saßen in der Falle. Durch die Blockade wurde die Lage des Heeres immer prekärer. Es mangelte an Proviant, und in der sumpfigen Küstenregion setzten Krankheiten den Soldaten zu.
Marcus Antonius setzt seine Hoffnungen auf den Kampf zur See
Ende August war die Situation so hoffnungslos, dass nur noch der Ausbruch aus dem Kessel Rettung versprach. Während der General Canidius Crassus sich dafür aussprach, auf dem Landweg nach Makedonien durchzustoßen, setzte sich Kleopatra mit dem Plan durch, die Flotte solle Oktavians Seeblockade sprengen.
Vermutlich schätzte Antonius, dessen Votum am Ende den Ausschlag gab, die Lage realistisch ein: Die Aussichten, dass sich die Flotte würde retten können, standen ungleich besser als die Chancen des Landheeres. Antonius ließ die Kriegskasse an Bord bringen und ordnete an, dass auch die Segel mitgenommen wurden. Normalerweise blieben Segel bei Gefechten zwischen antiken Kriegsschiffen an Land, um Gewicht zu sparen. Doch Antonius nahm in Kauf, dass die Schiffe schwerer zu manövrieren waren.
Offenbar plante er von vornherein die Flucht nach Ägypten. Dafür spricht auch, dass er 20 000 seiner besten Soldaten einschiffte. Dass Antonius das restliche Heer opferte, um sein Leben und das der Königin zu retten, wird man ihm aber nicht vorwerfen dürfen. Der Schlachtplan war der verzweifelte Versuch, aus einer verfahrenen Situation das Beste herauszuholen.
Auf der Gegenseite überzeugte Agrippa Oktavian davon, dass man die gegnerische Flotte bei einem Ausbruchsversuch sofort stellen musste. Auf offener See bestand die Gefahr, dass Antonius’ schnellere Schiffe entkamen, im küstennahen Gefecht hatten sie dagegen keine Chance.
Nachdem schlechtes Wetter mehrere Tage lang verhindert hatte, dass die Flotte Anker lichten konnte, ertönten bei Morgengrauen des 2. September die Trompeten und gaben das Signal zum Aufbruch. Antonius’ Galeeren fuhren eine nach der anderen vom Golf durch die Engstelle hinaus ins Ionische Meer: 250 Schiffe. Die Flotte war inzwischen zusammengeschmolzen, weil Krankheit und Desertionen die Besatzungen dezimiert hatten.
Bis zum späten Vormittag bildeten die Schiffe vor der Einmündung der Straße bei Actium einen langen Riegel, Antonius kommandierte den rechten Flügel, Kleopatra die Nachhut. Westlich davon, aber außer Reichweite der Geschütze, stellte sich die gegnerische Flotte auf, mit Agrippa auf dem linken und Oktavian auf dem rechten Flügel. Sie war mit ihren 400 Schiffen zahlenmäßig stärker, aber Antonius’ Galeeren waren an Größe und Kampfkraft überlegen.
Kleopatra setzt sich plötzlich aus dem Kampfgeschehen ab
Agrippa verlegte sich aufs Abwarten und zwang so Antonius, kurz nach Mittag den Schutz der Küste zu verlassen und zum Angriff überzugehen. Während die Schlacht tobte, setzte Kleopatras Geschwader bei günstigem Wind plötzlich Segel und suchte auf offener See das Weite.
Antonius deutete die Flucht der Ägypterin als Zeichen, dass alles verloren war, verließ sein Flaggschiff und bestieg einen Schnellsegler. Er wies den Kapitän an, Kleopatras Schiffen zu folgen. Als ihr Geliebter sie eingeholt hatte, gab die Königin Befehl, ihn an Bord zu nehmen. Antonius soll wegen Kleopatras überstürzter Flucht so wütend gewesen sein, dass er drei Tage lang kein Wort mit ihr sprach.
Der Oberbefehlshaber hatte sich auf und davon gemacht, aber seine Soldaten kämpften bei Actium auch im Angesicht der Niederlage tapfer weiter. Schließlich gab Oktavian den Befehl, die noch seetüchtigen Schiffe mit Brandpfeilen zu beschießen. Antonius’ Flotte versank mit Mann und Maus in einem Flammenmeer.
Antonius und Kleopatra setzten sich nach Nordafrika ab: die Königin so schnell es ging nach Alexandria, der Triumvir zunächst nach Kyrene, wo er hoffte, die dort stationierten Legionen seinem Befehl zu unterstellen. Doch der Statthalter dort hatte längst die Seiten gewechselt und zögerte nicht, die Gesandten, die Antonius zu ihm geschickt hatte, einen Kopf kürzer zu machen. Dem gedemütigten Herrscher des Ostens blieb nichts anderes übrig, als Kleopatra nach Alexandria zu folgen.
Kleopatra fürchtete, es könne sie die Krone kosten, wenn die Nachricht von der Niederlage vor ihr die ägyptische Hauptstadt erreichte. Deshalb hatte sie es so eilig. Völlig aus der Luft gegriffen waren solche Sorgen nicht. Beim Einlaufen ließ die Königin ihre Schiffe mit Girlanden schmücken und Siegeshymnen singen, so als sei bei Actium ein großer Sieg errungen worden.
Doch konnte sie die Alexandriner nicht lange täuschen. Offenbar erfasste Unruhe die Stadt, denn Kleopatra griff zum bewährten Mittel des Terrors, um jede Opposition im Keim zu ersticken. Sie ließ missliebige Bürger hinrichten. In Palästen und Heiligtümern ließ sie Schätze einsammeln und zu Geld machen. Mit dem Erlös trieb sie die Aufrüstung ihres Militärs voran: Zeitenwende im antiken Ägypten.
Während Kleopatra sich in Aktionismus flüchtete, brütete Antonius niedergeschlagen auf einer einsamen Nilinsel vor sich hin. Von überallher erreichten ihn schlechte Nachrichten. Canidius Crassus berichtete, das Landheer sei zwar nach Makedonien entkommen, habe aber kapituliert, als Oktavian günstige Friedensbedingungen zugesagt hatte. Landauf, landab fielen Statthalter und Klientelfürsten zu Oktavian ab, darunter auch Herodes.
Im ägyptischen Alexandria machte sich nun Endzeitstimmung breit. Es hieß, Kleopatra lasse diverse Gifte an zum Tode Verurteilten ausprobieren, um zu ermitteln, welches davon am schmerzlosesten töte.
Oktavian hatte eigentlich vorgehabt, schnell mit der Invasion Ägyptens zu beginnen. Doch Ende 31 v. Chr. machten ihm Unruhen in Italien einen Strich durch die Rechnung. Er musste erst die Halbinsel befrieden, bevor er sich in den Orient einschiffen konnte.
Oktavian marschiert in Ägypten ein
Gemeinsam mit seinem General Gallus, der von Westen nach Ägypten vorstieß, nahm der von Osten heranmarschierende Oktavian Alexandria dann im Sommer 30 v. Chr. in die Zange. Antonius konnte am Hippodrom bei Alexandria ein kleineres Gefecht für sich entscheiden, unterlag aber am 1. August der Übermacht auf ganzer Linie. In die Stadt zurückgekehrt, erfuhr er vom angeblichen Selbstmord Kleopatras. Caesars einstiger Stellvertreter stürzte sich in sein Schwert.
Kleopatra war aber nicht tot. Sie hatte sich mitsamt ihren Schätzen im Mausoleum der Ptolemäer verbarrikadiert. Durch ein Fenster ließ man den sterbenden Antonius an einer Seilwinde zu Kleopatra herab, in deren Armen er verschied.
Hatte die Königin durch gezielte Falschinformation seinen Selbstmord provoziert, um anschließend mit Oktavian günstige Kapitulationsbedingungen aushandeln zu können? Offenbar wollte sie erreichen, dass ihren Kindern die Herrschaft über Ägypten erhalten blieb. Zwar empfing der Sieger die geschlagene Königin, doch ließ er sich nicht erweichen. Er werde Kleopatra am Leben lassen, aber Ägypten zur römischen Provinz machen.
Die Aussicht, im Triumph durch Rom geführt zu werden, ertrug die stolze Ägypterin nicht. Sie schied durch eine Dosis Gift – oder, anderen Quellen zufolge, durch eine Giftschlange – aus dem Leben. Irgendjemand hatte sie in ihre Zelle geschmuggelt.
Oktavian annektierte Ägypten und unterstellte die Provinz einem römischen Präfekten. Das reiche Nilland war fortan die Kornkammer des Imperiums. 29 v. Chr. feierte der nunmehrige Alleinherrscher einen prachtvollen Triumph über Kleopatra. Über Antonius wurde dagegen der Mantel des Schweigens gebreitet.
Im Januar 27 v. Chr. legte Oktavian die außerordentlichen Gewalten des Triumvirn nieder und restaurierte pro forma die Republik. Tatsächlich begründete er im selben Atemzug die römische Monarchie, den Prinzipat, und nannte sich fortan Augustus, „der Erhabene“. Die beiden Töchter des Antonius von Octavia wuchsen im augusteischen Herrscherhaus auf und wurden zu Müttern und Großmüttern von Kaisern der julisch-claudischen Dynastie.
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