Ausgerechnet ihr Favorit Robert Devereux, der 2. Graf von Essex, verhinderte, dass Elisabeths Herrschaft nach ihrem 60. Geburtstag in ruhigeres Fahrwasser gelangte. Devereux, ein 1565 geborener Stiefsohn Robert Dudleys, des einstigen Geliebten der Königin, war bekannt für seinen impulsiven Charakter. Obwohl Elisabeth I. ihn als „eine Natur, die sich nicht beherrschen lässt“, bezeichnete, und sie ihn sogar einmal ohrfeigte, als er ihr den Rücken zukehrte, gelang es dem jungen Höfling immer wieder, die 33 Jahre ältere Königin für sich zu gewinnen.
1599 kam es jedoch zum endgültigen Bruch mit Elisabeth. Die Königin hatte Devereux nach Irland geschickt, wo er einen Aufstand niederschlagen sollte. Devereux scheiterte allerdings beim Versuch, die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Doch nicht allein sein Scheitern erzürnte Elisabeth, sondern auch, dass er im Zuge der militärischen Operation ihre Befehle ignoriert hatte.
Der einstige Favorit ruft die Londoner zur Revolte auf
Als er auf eigene Faust nach London zurückkehrte, um sich zu rechtfertigen, muss sein Auftreten so unbotmäßig gewesen sein, dass er unter zehnmonatigen Hausarrest gestellt wurde. Zudem verlor er seine wichtigste Einnahmequelle, ein Monopol auf den Import von Süßwein. Der finanziellen Mittel für seinen luxuriösen Lebensstil beraubt, sann Devereux auf Rache. Am 8. Februar 1601 verließ er den Hausarrest und versammelte rund 100 Mitstreiter um sich, mit denen er die Londoner Bürger zum Aufstand gegen die Königin aufwiegeln wollte. Doch kaum jemand folgte der Gruppe.
Schließlich überwältigten Soldaten Devereux, und er wurde im Tower inhaftiert. Bereits am 19. Februar wurde er wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und wenige Tage später enthauptet. Elisabeth spielte gerade auf dem Virginal (einem Tasteninstrument), als ihr die Nachricht von seinem Tod überbracht wurde. Sie soll nur für wenige Sekunden ihr Spiel unterbrochen haben.
Nähert sich heute in einer Demokratie ein Kanzler oder ein Präsident dem Ende seiner letzten Amtszeit, wird er fast unvermeidlich zur lame duck, zur lahmen Ente, der man keine großen Sprünge mehr zutraut. Im Falle von Königen oder Königinnen gibt es keine definierte Amtszeit, aber es gibt Alter, Krankheit – und den Tod.
Spätestens seit 1601 fragten sich die mächtigen Adligen in England, wie es nach dem Ableben der Königin weitergehen würde. Mit 68 Jahren war Elisabeth laut dem Historiker Dieter Berg bereits deutlich vom Alter gezeichnet: „mit pockennarbigem Gesicht, schwarzen Zähnen, grauen Haaren unter einer rötlichen Perücke und schwer beweglich mit einer Gehhilfe“.
Und die Königin hatte noch immer keine Regelung für ihre Nachfolge getroffen. Offiziell durfte darüber auch niemand spekulieren, denn dies galt seit 1571 bereits als Hochverrat. Es war demnach verboten zu behaupten, „dass eine bestimmte Person, wer auch immer diese sein mag, der rechtmäßige Erbe und Nachfolger Ihrer Majestät der Königin ist oder sein sollte“. Doch für immer konnte man solche Überlegungen nicht unterdrücken.





