Nach jeder Bestattung wurde der zur Grabkammer führende Gang, der Dromos, wieder mit Erde zugeschüttet. Davor wurde die Tür zur Grabkammer mit Steinen verschlossen. Man kann vermuten, dass in den Kammergräbern die Toten eines Familienverbandes beigesetzt wurden. Die vor allem aus Mykene bekannten Kuppel- oder Tholosgräber wurden im 12. Jahrhundert kaum noch verwendet. Neben den Kammergräbern lassen sich in denselben Friedhöfen bisweilen auch einige Einzelbestattungen nachweisen. Allerdings wurden insgesamt nur sehr wenige Personen auf diese Weise beigesetzt. Auch Brandbestattungen waren in der letzten Phase der mykenischen Kultur noch eine große Ausnahme.
Um 1100 fand die spätmykenische Kultur ein recht plötzliches Ende, über dessen Gründe noch kontrovers diskutiert wird. Damit war auch die Aufgabe der Kammergrabfriedhöfe verbunden. Stattdessen wurden in der folgenden sogenannten submykenischen Zeit (um 1100 –1050) neue Nekropolen (Totenstädte) mit Einzelgräbern angelegt. Die bedeutendste bekannte Begräbnisstätte dieser Zeit ist der Kerameikos im Zentrum Athens, wo seit Anfang des 20. Jahrhunderts Ausgrabungen vom Deutschen Archäologischen Institut durchgeführt werden.
Der wichtigste submykenische Grabtypus ist das Steinkistengrab. Fast 75 Prozent der Toten wurden im Kerameikos-Friedhof in submykenischer Zeit in Gräbern dieses Typs beigesetzt. Steinkistengräber haben eine langrechteckige Form. Die Schmalseiten bestehen aus jeweils einer Steinplatte. Die Langseiten können bis zu sechs Steinplatten aufweisen. Die Oberseite wurde mit Deckplatten verschlossen. Neben den Steinkistengräbern gab es auch einfache Erdgräber, nur mit einer Plattendeckung versehene Gräber und sogenannte Steinschüttungsgräber. Steinschüttungsgräber sind Erdgräber, die mit einer Lage nicht sehr großer Feldsteine bedeckt wurden. Offensichtlich war die obere Abdeckung der Gräber von besonderer Bedeutung. Wahrscheinlich sollte eine unüberwindliche Trennung zwischen der Welt der Lebenden und der der Toten geschaffen werden. Vielleicht sollten die Toten auch an einer Rückkehr gehindert werden…
Dr. Florian Ruppenstein





