Der „Vandalismus“ entstand in ebendem 18. Jahrhundert, in dem das Gotische, die Gotik, einer zunehmend positiv verstandenen Kulturepoche in Kunst, Architektur und Schrift den Namen gab. Demnach schuf erst die Nachwelt ein Vandalen-Bild, das ungefähr so viel Objektivität besaß wie eine Darstellung des „Papsttums allein nach Luther“. So drückt es Christian Courtois aus, dessen „Les Vandales et l’Afrique“ (2. Auflage, Paris 1955) neue Maßstäbe in der Geschichtsschreibung über die Vandalen setzte. Nun zählte ihre Geschichte nicht mehr anachronistisch zu einer „Geschichte der deutschen Stämme“ (Ludwig Schmidt), sondern wurde Teil der Geschichte des römischen Afrika.
Diese wenig mehr als 100 Jahre (von 429 bis 534/546) bilden den Gegenstand, dem sich der Autor Konrad Vössing in höchst ansprechender Weise widmet, wobei es ihm vor allem (siehe Untertitel) um die afrikanische Reichsbildung Geiserichs ging. Dieser König errang in den fast 50 Jahren seiner Herrschaft eine unangreifbare Position, von der aus er mit der ganzen Welt, mit den Reichsregierungen in Ravenna und Konstantinopel, von Gleich zu Gleich verkehrte, ja das Schicksal des Westreichs bis zum Untergang 476 mit bestimmte.
Bestechend ist die Analyse des Bonner Althistorikers, der auch den Niedergang und das Ende der Schöpfung Geiserichs unter seinen Nachfolgern einleuchtend behandelt. Ebenso überzeugend räumt der Autor mit modernen Fehlinterpretationen auf, zum Beispiel mit den Behauptungen, Andalusien sei „Vandalucia“ oder die vandalische Herrschaft ein Sakralkönigtum gewesen. Außerdem: Bei der Ansiedlung wurde den Vandalen vom König Land, sortes, zugeteilt; sie wurden von ihm nicht aus Steuergeldern bezahlt.
Nicht zuletzt aber ist zu betonen, dass Vössing ein großartiger Stilist ist und das gut ausgestattete Buch zu einem Lesevergnügen für jedermann macht. So kann man mit Augustinus sagen: Tolle, lege! – Nimm und lies!
Rezension: Prof. Dr. Herwig Wolfram





