Vom 9. Juni an sind damit im Porzellanikon weitere gut 300 Preziosen aus Porzellan zu sehen. „Gut die Hälfte davon aus Archivbeständen, die nie zuvor gezeigt wurden“, wie Museums-Direktor Wilhelm Siemen auf Nachfrage bestätigt. Das Empire, der repräsentative „Staatsstil Napoleons I.“ und eigentlich auf Frankreich beschränkt, beeinflusst stilistisch auch die deutschen Gestalter und wirkt über die Zeit des Kaisers hinaus.
Doch das erstarkende Bürgertum sucht durchaus nach „günstigeren“ Varianten, um sich damit dem (zunehmend einflussloseren) Adel gleich zu stellen. Hier würdigt die Präsentation die Entstehung der ersten oberfränkischen Porzellanfabrik, nämlich die des Carolus Magnus Hutschenreuther. Befindet sich doch das Hohenberger Porzellanikon in dessen ehemaliger Direktoren-Villa. Dementsprechend hochkarätig sind hier die Exponate: „Es handelt sich um ganz frühe Hutschenreuther-Stücke, ganz in Weiß gefasst, die wir noch nie zuvor präsentierten“, so die Hauptkustodin Petra Werner nicht ohne Stolz. Doch ebenso wird sichtbar, wie sich nun eine Gesellschaft unter dem Einfluss einer restaurativen Politik und der Rückkehr zur Monarchie resigniert ins Private zurückzieht: Das Biedermeier, ein deutsches Phänomen, hält Einzug. Porzellan, mehr und mehr Alltagsbegleiter der bürgerlichen Schichten, bildet dieses gesellschaftspolitische Klima mit einer Präzision ab, die über die Jahrhunderte hinweg bemerkenswert lebendig und nachvollziehbar bleibt. Die Ausstellung unterstützt dies im ersten Stock des so genannten Neubaus im Porzellanikon Hohenberg durch eine sinnfällige Inszenierung samt einem zeittypischen Vitrinenschrank, was einen in die Wohnstube zwischen 1820–30 zurückversetzt. Daneben werden einige der wichtigen Themen der Zeit aufgriffen. Die Pfeife etwa, Sinnbild der häuslichen Behaglichkeit; das Souvenir, das für Weltgewandtheit des durch Reisen gebildeten Bürgers stand; die Lithophanie, die etwa in Form von Lampenschirmen auf erlesene Weise den Räumen intimes Licht spendete.
Doch mit der Jahrhundertmitte wird ein neuer Stil en vogue: der Historismus. Mit der ersten Weltausstellung 1851 kommt es zu einem „Wettstreit der Nationen“, Ausdruck des aufkeimenden Staatenbewusstseins. Die Ausstellung in Hohenberg wechselt damit auch ins zweite Stockwerk des Museums. In der ehemaligen Bibliothek zeigt man nun Objekte in zeittypischen Techniken, wie sie das Publikum in Entzücken versetzten: Materialkombinationen (etwa Bronze mit Porzellan), so genannte Spitzen-Figuren (weil mittels ebensolcher porzellangetränkter Textilien gefertigt), Stahldruck und Durchbruch oder etwa Lüsterglasuren. Rund um diesen kabinettartigen Raum gruppieren sich Themen wie Imitation & Kopie, Kuriositäten aus Porzellan, so genannte Handmalereien (etwa die der berühmten Helena Wolfsohn), Prunkformen etc.





