Britannien, jene „geheimnisvolle, nebelverschleierte Insel am Rande einer unbekannten Welt“, wie es in dem vorliegenden Buch fast poetisch heißt, war für die Römer ein Testfall für ihr Geschick, auch fern der mediterranen Welt die eigene Zivilisation zu verbreiten und damit ihre Herrschaft zu sichern. So entstand im römischen Britannien eine ganz spezielle Kultur, in der auch einheimische keltische Ein‧flüsse in nicht geringem Maß zur Geltung kamen.
Es ist den Autoren, beide Kuratoren am Britischen Museum in London, in hervorragender Weise gelungen, ein anschauliches und instruktives Bild vom Alltag im römischen Britannien zu zeichnen. In neun übersichtlichen Kapiteln wird ein fundiertes Kaleidoskop des Lebens der Soldaten, der Bauern, der Handwerker und der Händler präsentiert. Hochwertiges Bildmaterial ergänzt in vorbildlicher Weise die Informationsdichte der Texte. Jedes Kapitel enthält eine Rubrik „Im Focus“, in der spezielle Aspekte des jeweiligen Themas anhand bestimmter Fundkomplexe illustriert werden. So findet man in dem Kapitel „Druiden und Götter“ den für die Geschichte des frühen Christentums in Britannien wichtigen Silberschatz aus Water Newton, eines der Prunkstücke der römischen Abteilung im Britischen Museum.
Besonders spannend ist die Darstellung und Auswertung der berühmten Schreibtafeln aus dem römischen Kastell Vindolanda, die in einzigartiger Weise die Sorgen, Probleme und Freuden der Soldaten illustrieren. Ein Fragment mit einer Zeile aus Vergils „Aeneis“ beweist, dass dieser augusteische Klassiker auch im hohen Norden zu literarischen Ehren kam.
Es ist den Autoren gelungen, ein ebenso umfassendes wie zugleich kompaktes Porträt der – in ihrer Bedeutung und ihrer Vitalität häufig unterschätzten – römischen Provinz Britannien zu entwerfen. Auch gelegentliche Missverständ‧nisse in der deutschen Übersetzung und einige arg gewollt wirkende Modernismen können den positiven Gesamt‧eindruck dieses Bandes nicht schmälern.
Rezension: Prof. Dr. Holger Sonnabend





