Im Mai 1942 saßen sich in Paris zwei Männer gegenüber, deren Verhandlungen das Schicksal Tausender Menschen besiegeln sollten: der Chef der französischen Polizei, René Bousquet, und SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich, einer der Architekten des Holocaust. Dabei zeigte sich Bousquet willig, Juden aus der unbesetzten Zone Frankreichs an die deutsche Besatzungsmacht auszuliefern. Auch erklärte er sich bereit, den Deutschen französische Polizeikräfte zur Verfügung zu stellen, um Juden im von Deutschland besetzten Teil Frankreichs zu verhaften. Wie war es möglich, dass Frankreich, das Land der Menschen- und Bürgerrechte, zum Komplizen des Völkermords wurde?
Die Wurzeln dieser Entwicklung reichen tief in die 1930er Jahre zurück, als der Antisemitismus in Frankreich zu neuem Leben erwachte. Während der Weltwirtschaftskrise bröckelte auch hier das Vertrauen in die Demokratie. Viele suchten nach Sündenböcken, so etwa während der Stavisky-Affäre Ende 1933. Alexandre Stavisky, ein eingebürgerter Jude, hatte Millionen unterschlagen – offenbar mit Unterstützung aus der Politik. Als er am 8. Januar 1934 tot aufgefunden wurde, vermuteten viele, dass die Regierung einen unbequemen Zeugen zum Schweigen gebracht habe. Am 6. Februar 1934 marschierten – angeführt von den rechtsextremen französischen Ligen – mehr als 30 000 Menschen zum Parlament. Bei den anschließenden Straßenschlachten starben 16 Menschen. „Nieder mit den Juden!“, riefen Demonstranten dabei.





