Anhand der persönlichen Schicksale einiger Passagiere berichtet Rosine De Dijn von den Abgründen und Absurditäten des Zweiten Weltkrieges, komprimiert in der Schiffspassage, trennte doch bereits die Art der Überfahrt die Reisenden voneinander. War sie für die in den Jahren nach der Inflation und Wirtschaftskrise aus Deutschland Ausgewanderten eine luxuriöse Angelegenheit, bedeutete sie oftmals bedrückende Enge und eine unkomfortable Unterkunft auf Segeltuch-Hängematten im Frachtraum für hunderte Flüchtlinge. Ein Los, das beispielsweise auch dem jüdischen Unternehmerehepaar Maurice und Thérèse Padawer aus Belgien sowie deren drei Kindern Jacques, Lucien und Mireille nach einer Odyssee zwischen Frankreich und ihrem Heimatland zuteil wurde, wohingegen sich der damals zehnjährige Hans Adolf Spieweck lange später noch an Feste und kurzweilige Unterhaltung an Bord, besonders für die Kinder der Nationalsozialisten, erinnerte.
Weit entfernt von nüchternen Zahlen und staubigen Dokumenten, dadurch aber umso ergreifender, beschreibt die Journalistin die Geschichte von Jägern und Gejagten, die auf ihrer ungleichen Reise mit der „Serpa Pinto“ trotz ihrer unterschiedlichen Situation alle einem ungewissen Schicksal entgegen sahen.
Rezension: Heinz, Simone





