„Die Deckenbemalung im ersten Obergeschoss ist die älteste bekannte profane Architekturfassung nördlich der Alpen“, hebt Christoph Merzenich von der Fachhochschule Erfurt die Bedeutung des Bauwerks hervor. Als Raumfassung bezeichnen Kunsthistoriker und Restauratoren die Ausmalung eines Raumes. Während die Deckenbretter einheitlich mit einem Radmotiv verziert sind, weisen die Balken jeweils unterschiedliche Ornamentik auf. Es handelt sich um ein herausragendes Zeugnis spätmittelalterlicher profaner Baukunst.
Das Gebäude war seit 1293 nachweislich in jüdischem Besitz. Neben der farbig gefassten Holzbalkendecke aus dem 13. Jahrhundert sind auch Reste eines Stufengiebels und ein mittelalterlicher Keller erhalten. Die neue Untersuchung des Gebäudes soll nun im Frühjahr 2015 beginnen. Neben der Stadt Erfurt und der der TU Berlin ist auch die Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg an dem Projekt beteiligt.
Über die Bewilligung und den Beginn des Projektes freut sich auch Maria Stürzebecher, Beauftragte für das Unesco-Welterbe der Stadt Erfurt: „Das Steinerne Haus ist das dritte Gebäude im Erfurter Welterbe-Antrag – neben der Alten Synagoge und der Mikwe. Und im Gegensatz dazu noch weitgehend unerforscht. Die Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft ermöglicht nun eine umfassende Untersuchung, die sicher zahlreiche spannende Erkenntnisse liefern wird“, so Stürzebecher.
Die Forscher hoffen, dass in den Gebäudestrukturen noch spannende Funde schlummern. „Wir wollen herausfinden, ob auch an den Wänden oder in anderen Räumen Reste mittelalterlicher Bemalung erhalten sind, so Merzenich.“ Neben dem Steinernen Haus selbst soll auch der komplette Gebäudekomplex untersucht werden, betont Barbara Perlich von der TU Berlin: „Wir wissen bereits, dass hier mehrere hochmittelalterliche Bauten dicht beieinander lagen und besser erhalten sind, als sonst in Erfurt und anderen Städten“.
Ziel des Projekts ist somit auch ein Gesamteindruck: „Die Bauforschung soll herausfinden, wie sich das Quartier baulich entwickelt hat und wie die einzelnen Bauten in den verschiedenen Bauphasen ausgesehen haben“, sagt Perlich. „In der Zusammenarbeit mit den anderen Disziplinen können wir am Ende unserer Forschungen vielleicht sogar den verschiedenen Bauphasen einzelne Bewohner zuordnen – im besten Fall finden wir heraus, wer die Deckenbemalung in Auftrag gegeben hat.“





