Neben dem Thema „WC“ beleuchtet das Kuratorenteam auch die verschiedenen Aspekte der adeligen Körperhygiene und Pflegepraxis im Wandel der Zeiten. Denn wer kennt sie nicht: Die berühmten Vorurteile, der Adel habe sich lieber einparfümiert als sich zu waschen und sich hinter Vorhängen und Hecken erleichtert. Die Präsentation von Sach- und Schriftquellen wird mit diesen Unterstellungen aufräumen.
In der Ausstellung sind ausgewählte Stücke aus den Depots und Museen der Staatlichen Schlösser und Gärten und zum Teil hochkarätige Exponate externer öffentlicher und privater Leihgeber zu sehen. Diese Vielfalt der Objekte reicht vom Abort bis zur Zahnbürste und lässt sich auf vier große Themenschwerpunkte verteilen: Zimmeraborte und Nachttöpfe, Waschen und Baden, Körperpflege auf Reisen sowie Frisieren, Schminken und Parfümieren.
Besonders zu loben ist die besonders gelungene Inszenierung der Ausstellung, die auch Familien mit Kindern sehr zu empfehlen ist. Es macht Spaß, dieses alltägliche Thema so vielseitig und interessant aufbereitet zu bekommen. Dies geschieht mit einem Augenzwinkern, aber ohne jede Effekthascherei. So müssen historische Ausstellungen sein: interessant, lehrreich ohne erhobenen Zeigefinger, aber auch kurzweilig und vergnüglich! Hervorzuheben ist ebenso die ausgesprochene Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft des Aufsichtspersonals: Da wird sogar darauf hingewiesen, dass man die Schoko-Espresso-Bohnen vom fürstlichen Toilette-Tisch natürlich naschen darf, und Kindern, die mit dem leicht bitteren Espressogeschmack nichts anfangen können, bekommen ein kleines Päckchen Gummibärchen zur Stärkung für den zweiten Teil der Ausstellung.
Zur Ausstellung ist im Deutschen Kunstverlag ein reich bebilderter Begleitband erschienen. Neben einem Katalogteil der ausgestellten Objekte vertieft dieses Buch in mehreren Aufsätzen weitere interessante Aspekte des Themas: von Architektur und Ästhetik römischer Latrinenanlagen der Kaiserzeit bis hin zum modernen Badezimmer der württembergischen Königin Charlotte im Schloss von Bebenhausen.





