Hoffnung machte den Demonstranten der Aufruf der „Leipziger Sechs“. Zuvor war er in den Kirchen verlesen worden, jetzt übertrug der Stadtfunk die Ansprache auf die Straßen. Der Gewandhauskapellmeister Kurt Masur, der Theologe Peter Zimmermann, der Kabarettist Bernd-Lutz Lange sowie die drei SED-Parteifunktionäre Kurt Meyer, Jochen Pommert und Roland Wötzel riefen zu einem „friedlichen Dialog“ zwischen Bürgern und Regierung auf. Das machte Eindruck, bei den Demonstranten wie bei den Sicherheitskräften. Doch nicht zuletzt kapitulierten Volkspolizei und Volksarmee schlicht vor der Menschenmasse. Dass sich 70 000 Menschen aus Protest gegen die Verhältnisse in der DDR zusammentun würden, damit hatten die Kader der SED nicht gerechnet. Das mutige Engagement der Leipziger an diesem Tag gilt als der Wendepunkt hin zu friedlichen Demonstrationen in der ganzen DDR – und damit als Anfang von deren Ende.





