Josefa Simon hat für die Ausstellung einen großen Seekoffer beigesteuert. Er symbolisiert die Geschichte der Auswanderung der Familie. Sie hat ihn mit persönlichen Erinnerungen wie Büchern, Schriften und Briefen ihres Vaters gefüllt. Teile des Inhalts aus dem Koffer werden nach dieser Ausstellung noch in einem anderen Rahmen im Museum zu sehen sein: in einer Art „offenem Archiv“, in der „Bibliothek der Alten“. Das ist eine große mahagonifarbene Regalwand mit 150 Fächern, in denen dicke, schwere Dokumentenmappen oder dunkelblaue geräumige Kassetten liegen. Das Archiv lädt zum Mitmachen ein: Tagebücher, Briefe und Fotografien von Autoren über 50 Jahren liegen dort für die Öffentlichkeit aus. Bisher sind 72 Fächer gefüllt, weitere Autoren werden gesucht. Bis 2055 wird jedes Jahr ein neues Fach in diesem Archiv durch einen Autor belegt. Für nächstes Jahr ist eins für Josefa Simon reserviert.
Josefa Simons Aufwachsen ist von dem Schicksal einer Emigrantenfamilie geprägt. Ihr Vater Heinrich Simon musste 1934 aus Rücksicht auf den Fortbestand der Frankfurter Zeitung als Vorsitzender des Redaktionsbeirats ausscheiden und im selben Jahr emigrieren. Zuvor hatte er von 1910 bis 1934 das Unternehmen geleitet, das sein Großvater Leopold Sonnemann rund 50 Jahre zuvor gegründet hatte. Heinrich Simon emigrierte zunächst über Paris nach Tel Aviv, wo er 1936 Geschäftsführer des von ihm mitbegründeten „Palestine Philharmonic Orchestra“ wurde. Über London kam er schließlich 1939 nach Washington D.C.. Die Mutter Irma Simon (geb. Freiin Irma Schey von Koromla) emigrierte mit ihrer Tochter Josefa über Wien, die Schweiz, Belgien und England nach Amerika. 1940 kam die Familie wieder zusammen. Damals war Josefa Simon sieben Jahre alt. Fast genau ein Jahr später kam ihr Vater bei einem Raubüberfall in Washington D.C. ums Leben. Der Vater wäre derjenige gewesen, der seiner Tochter über Leopold Sonnemann hätte erzählen können. Der fehlte aber nun, so dass sie gar nicht viel von ihm wusste. Die Ausstellung hat das jetzt geändert.





