Sie ist die berühmteste Figur des antiken Saba – doch von der Königin, die der Bibel zufolge den König Salomo besucht haben soll, weiß man historisch betrachtet nichts. Die Geschichte verdeutlicht aber zumindest die Bedeutung von Saba in der Antike. Bekannt ist, dass die Sabäer den heutigen Jemen im Südwesten der Arabischen Halbinsel etwa zwischen 1000 v. Chr. und 600 n. Chr. dominierten: Sie bauten eindrucksvolle Staudämme für den Ackerbau, errichteten monumentale Tempel und pflegten weitreichende Handelsbeziehungen. Ihre Hauptstadt Marib soll reich und prunkvoll gewesen sein und bis zu 50 000 Einwohner gezählt haben.
5000 Inschriften bilden die Grundlage
Auch viele Schriftzeugnisse künden von der sabäischen Hochkultur. Sie basieren auf einem Alphabet mit 29 Zeichen. Es handelt sich um Texte, die in Stein oder auf Holzplättchen die Zeiten überdauert haben. “Das Sabäische ist die am längsten bezeugte Sprache auf der Arabischen Halbinsel vor dem Islam”, erklärt Nebes. Durch zahlreiche archäologische Ausgrabungen ist der Textbestand in den letzten Jahrzehnten erheblich angewachsen. Das Wörterbuch der Jenaer Orientalisten soll nun alle bekannten Wörter des Sabäischen umfassen. Grundlage ist eine Datenbank von etwa 5000 sabäischen Inschriften. Es handelt sich dabei um Widmungsinschriften, Kriegsberichte, Bauinschriften und Rechtstexte bis hin zu Briefen.
Das Werk der Wissenschaftler wird allerdings nicht ein Wörterbuch im herkömmlichen Sinne sein: Sie arbeiten die einzelnen Wörter nicht von A bis Z ab, sondern nehmen sich jeden einzelnen Text vor. Der Nutzer kann dadurch sowohl Übersetzungsmöglichkeiten eines Wortes als auch Informationen zum inhaltlichen Kontext erhalten. Ab Mitte 2016 soll zunächst der Wortschatz aus dem Großteil der Widmungstexte im Internet zu finden sein. “Wir möchten unsere Arbeit allen unseren Kolleginnen und Kollegen weltweit unkompliziert und direkt zur Verfügung stellen – und das so aktuell wie möglich”, sagt Nebes. “Als Online-Wörterbuch kann es zum einen schon während des Entstehungsprozesses genutzt und zum anderen immer wieder aktualisiert werden.”
Neben Altertumswissenschaftlern soll der Sprachschatz vor allem auch Islamforschern und Alttestamentler zu Nutze kommen. Darüber hinaus erhoffen sich die Forscher von der Universität Jena generell auch neue Erkenntnisse über die Sprache und Kultur der Sabäer. Letztlich wollen sie dazu beitragen, dass über diese antike Kultur mehr bekannt wird als nur die Geschichte einer mysteriösen Königin.





