Tatsächlich wurde er bald darauf verhaftet und verbrachte den Rest seines Lebens im Kerker. Die am Bau von Vaux-le-Vicomte beteiligten Baumeister und Handwerker beschäftigte Ludwig XIV. selbst weiter, darunter auch den Gartenarchitekten Le Nôtre. Er hatte eine gewaltige Aufgabe für sie: Versailles sollte zum größten Schloss des europäischen Kontinents werden, und sein Park zu einer ins Monumentale gesteigerten Allegorie auf seine Macht. Wie die Strahlen der Sonne zweigen die Wege vom Schloss ab, vorbei an üppig blühenden Blumenbeeten, an Brunnen und Kanälen, ein scheinbar ins Endlose gesteigerter Gartentraum. Die Achsen reichen bis zum Horizont, und die ausgedehnten Parterres sind mit einem Blick nicht mehr zu erfassen. Die Wasserkünste zeugen mit ihren spektakulären Inszenierungen von der Kühnheit der Ingenieure, die verschwiegenen Boskette von der Raffinesse und kreativen Vielfalt ihrer Kompositionen. So entstand in über 25-jähriger Arbeit ein einzigartiger Kosmos aus Kunst und Natur.
Der Garten von Versailles wurde bald zum Vorbild für die Gärten zahlreicher Fürstenhöfe in ganz Europa und blieb dennoch unerreicht. Für den Kunsthistoriker und Fotografen Michael Brix ist Versailles denn auch der absolute Garten, und genauso lautet der Titel dieser Publikation, mit der Brix eine Bilanz seiner jahrelangen Beschäftigung mit den Gartenanlagen von Versailles und ihrem Schöpfer zieht. Dieses Gesamtkunstwerk stellt der Autor anhand eindrucksvoller, großformatiger Fotografien, aber auch anhand von historischen Gemälden und Plänen vor. In dieser umfassenden Gründlichkeit hat sich bislang noch kaum ein Bildband mit Le Nôtres Schöpfung befasst. Liebhaber der Gartenkunst werden dabei ebenso auf ihre Kosten kommen wie Gartenhistoriker. Brix taucht förmlich ein in den Kosmos Versailles und versucht, den Park mit den Augen Le Nôtres zu sehen, seine Vorstellungen wiederzugeben. Dabei befasst er sich ausführlich auch mit der bisherigen Rezeption der Parkgeschichte.
Rezension: Uwe A. Oster





