Der Glaube an die Macht der Sterne war keine alleinige Domäne der einfachen Menschen, ganz im Gegenteil: Astrologie und Astronomie waren keine getrennten Bereiche; renommierte Astronomen wie Kepler veröffentlichten Auslegungen, die einen direkten Einfluss des Kometen auf das irdische Geschick beweisen sollten. Wie sich darüber hinaus die Sterndeutung auf die Kriegsberichterstattung oder die Lebensentscheidung einzelner Personen auswirkte, wie die Himmelsbeobachtung nicht nur Schrecken auslöste, sondern zugleich auch gefühlte Gewissheit und damit eine Art von Sicherheit schuf, das alles liest sich bei Bähr so informativ wie unterhaltsam.
Leider geht Bähr nicht darauf ein, dass die politische Prognostik eine längere Tradition hat. So glaubten etwa Astrologen 1524, aus der damaligen Gestirnskonstellation nicht nur eine zweite Sintflut ableiten zu können, sondern sagten ebenfalls ein „Blutvergießen“ voraus, das man dann auf den Bauernkrieg bezog.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger
Andreas Bähr
Der grausame Komet
Himmelszeichen und Weltgeschehen im Dreißigjährigen Krieg
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2017, 302 Seiten, € 19,95





