Korruption, alltägliche Gewalt, eine radikalisierte Bevölkerung: Im Jahr 66 genügte ein Tumult in Caesarea, um rasch ganz Judäa in Aufruhr zu versetzen. Die römischen Besatzer schlugen den Aufstand nieder – bei der Eroberung Jerusalems im Sommer 70 wurde auch der Tempel zerstört.
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von MICHAEL SOMMER
Die äußere Gestalt des Tempels bot alles, was Seele und Auge des Betrachters in großes Erstaunen versetzen konnte. Denn der Tempel war überall mit massiven Goldplatten bedeckt, und mit Beginn des Sonnenaufgangs strahlte er einen feurigen Glanz von sich aus, so dass diejenigen, die ihn ansahen, ihre Augen wie von den Sonnenstrahlen abwenden mussten.“ Ausführlich schildert der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus den grandiosen Eindruck, den der Jerusalemer Tempel auf seine Besucher machte: Das Bauwerk, errichtet unter der Herrschaft der Perser und erweitert von 21 bis 19 v. Chr. unter Herodes dem Großen, überstrahlte mit seiner Pracht und seinen Dimensionen nicht nur die Hauptstadt Judäas, sondern den gesamten Nahen Osten.
Der Tempel war das zentrale Heiligtum der Juden und die größte Kultanlage der antiken Mittelmeerwelt. Keine 100 Jahre nach seiner Vollendung durch Herodes loderten tatsächlich Flammen über dem Tempel. Anfang August 70 n. Chr., am zehnten Tag des Monats Loos im jüdischen Kalender, begann der letzte Akt im Kampf um Jerusalem, welches die Römer zuvor fünf lange Monate belagert hatten. Im Juli hatte Titus, der Oberkommandierende und älteste Sohn des Kaisers Vespasian (69–79), die Burg Antonia im Norden des Tempelbezirks eingenommen. Obwohl damit der wichtigste Zugang zur Tempelterrasse in römischer Hand war, hielten die Verteidiger noch mehr als zehn Tage stand.
Während Titus das Geschehen von den Zinnen der Burg beobachtete, lieferten sich seine Legionäre mit den Rebellen Scharmützel auf der Tempelterrasse. Dort waren Brände ausgebrochen, die römische Soldaten zu löschen versuchten. Als sie bei dieser Arbeit angegriffen wurden, verfolgten sie die Juden bis zum eigentlichen Tempel. Josephus schildert die fatale Ereigniskette so: „Hier geschah es nun, dass einer von den Soldaten, ohne einen Befehl abzuwarten und ohne vor solch einem Unternehmen zurückzuschrecken, aus einem übermenschlichen Antrieb heraus ein Stück aus dem lodernden Brand ergriff. Er ließ sich von einem anderen Soldaten emporheben und schleuderte das Feuer zum goldenen Fenster hinein, durch das man von der Nordseite her in die Räume rings um das Tempelhaus gelangen konnte.“
Chronist Josephus sieht die Schuld für den Tempelbrand bei den Juden
Im ausbrechenden Chaos hätten zunächst die Juden versucht, die Feuersbrunst zu löschen. Auch Titus und sein Stab hätten eingegriffen, um die römischen Soldaten zur Eindämmung des Brandes zu bewegen – erfolglos: Die Legionäre seien derart in Rage gewesen, dass sie die Feuersbrunst noch anheizten, indem sie immer wieder brennende Holzscheite ins Tempelinnere warfen.
Im Rausch des Sieges hätten die Soldaten ein wahres Gemetzel unter den Juden veranstaltet: „In großer Menge häuften sich die Toten um den Brandopferaltar, Blut floss in Strömen von den Stufen des Tempels, gefolgt von den hinabgleitenden Leibern der weiter oben Getöteten.“
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So schildert jedenfalls Josephus das, was sich in den ersten Augusttagen 70 n. Chr. in Jerusalem zutrug. Die Schuld am Feuer gibt er den Juden, nicht den Römern: Die Aufständischen hätten mit ihrem fanatischen Widerstand die Legionäre zum Brandschatzen geradezu provoziert. Außerdem sei die Zerstörung des Tempels am 10. Loos in den Schriften geweissagt worden. Ebenfalls am 10. Loos habe der babylonische König Nebukadnezar das jüdische Heiligtum einst in Schutt und Asche gelegt. Die Schlussfolgerung des Josephus: Gott selbst habe den Tempel „zum Feuer verurteilt“.
Die Darstellung des jüdischen Historiographen hat indes nicht nur eine heilsgeschichtliche, sondern auch eine politische Tendenz. Josephus, der zur jüdischen Oberschicht gehörte und in den ersten Monaten des Aufstands gegen Rom eher unwillig die Verteidigung Galiläas gegen die Besatzungsmacht organisiert hatte, war eng mit dem flavischen Kaiserhaus und besonders mit Titus verbandelt, dem Eroberer Jerusalems und nachmaligen Kaiser. Vespasian hatte Josephus nach dem Fall der Festung Jotapata im Sommer 67 gefangen genommen und dann aus Anlass seiner Kaisererhebung, die am 1. Juli 69 in Ägypten stattfand, freigelassen.
Im Gefolge des Titus blieb er im Nahen Osten und war Zeuge der Belagerung Jerusalems. Wohl 71 n. Chr. traf er in Rom ein und schrieb dort, vom Hof protegiert, sein historisches Werk nieder, außer der Geschichte des Jüdischen Krieges vor allem 20 Bücher über die frühere Geschichte der Juden, die „Jüdischen Altertümer“.
Josephus hatte allen Grund, Vespasian und Titus dankbar zu sein. Diese Dankbarkeit schlägt sich auch in seiner Schilderung des Tempelbrands nieder: Das Feuer wird nicht etwa auf Veranlassung des römischen Oberkommandierenden gelegt, nein, es ist Titus höchstpersönlich, der die Legionäre zum Löschen motivieren will. Überhaupt gewinnt der Leser den Eindruck, die Juden selbst seien schuld gewesen an dem Verhängnis, das der Krieg über sie brachte: Unduldsamkeit und religiöser Fanatismus, Sektiererei und kriminelle Machenschaften treiben sie in den Aufstand und damit in einen Krieg, den sie nicht gewinnen können. Vespasian und Titus sind aus diesem Blickwinkel lediglich die Vollstrecker göttlichen Willens: Sie sorgen dafür, dass das jüdische Volk die verdiente Strafe erhält.
Freilich sind die Ereignisse des Jahres 70 nicht zu lösen aus der Geschichte des jüdischen Aufstands, und der ist wiederum untrennbar verknüpft mit der an Konflikten und Missverständnissen reichen Vorgeschichte römisch-jüdischer Koexistenz während der rund 130 Jahre vor dem Ausbruch der Revolte 66 n. Chr. Diese Vorgeschichte begann mit der Eroberung und anschließenden Neuordnung des Nahen Ostens durch Pompeius 64 v. Chr., die Judäa zunächst zu einem Klientelkönigtum des römischen Imperiums herabstufte.
Schlechtes Omen? Pompeius betritt das Allerheiligste des Tempels
Schon der kurze Besuch, den Pompeius Jerusalem abstattete, warf einen tiefdunklen Schatten auf die künftige Beziehung zwischen dem Reich und den Juden, die sich als Volk Gottes begriffen. Der römische Feldherr hatte Roms Angstgegner Mithradates von Pontos besiegt und anschließend gleichsam im Vorbeigehen die kümmerlichen Reste des einst mächtigen Seleukidenreiches liquidiert, auf dessen Trümmern er die neue römische Provinz Syria schuf. Da Rom nunmehr die Hegemonialmacht im Nahen Osten war, fiel dem Imperium auch die Rolle des Schiedsrichters in lokalen Konflikten zu: Im benachbarten Judäa kämpften 64 v. Chr. zwei feindliche Brüder aus der regierenden Priesterdynastie der Hasmonäer um die Herrschaft. Pompeius, der nicht begriff, worum es bei dem Bürgerkrieg ging, lavierte zunächst zwischen den beiden Prätendenten, sah sich dann aber doch gezwungen, Partei zu ergreifen und Jerusalem zu belagern.
Als er es schließlich eingenommen hatte, inspizierte er den Tempel und betrat auch das Allerheiligste, das zu betreten nur dem Hohepriester gestattet war – und auch das nur am Versöhnungstag Jom Kippur. Was für Pompeius eine Unachtsamkeit war, bedeutete den Juden ein unaussprechliches Sakrileg. Der Grundstein für eine toxische Beziehung der Missverständnisse war gelegt.
Zunächst jedoch kehrte so etwas wie Entspannung ein. Die Römer respektierten die Autonomie des Hasmonäerstaates und überließen die Juden, soweit es eben ging, sich selbst. Der Hohepriester Hyrkanos setzte im römischen Bürgerkrieg mit Caesar auf das richtige Pferd und wurde reich belohnt. Die Juden sollten nach ihren eigenen Gesetzen leben, Hyrkanos und seine Dynastie erhielten den Status von „Freunden und Bundesgenossen des römischen Volkes“.
Im Land selbst aber gärte es. Soziale Konflikte, Bandenkriege und Rebellionen waren an der Tagesordnung. Zur Aufrechterhaltung des inneren Friedens setzten die Römer auf Antipatros, der aus dem einst von den Hasmonäern unterworfenen und später zwangsjudaisierten Idumäa stammte. Antipatros fiel 42 v. Chr. einem Giftanschlag zum Opfer. Prompt versank die gesamte Region für Jahre im Chaos.
Davon erlöste sie schließlich Herodes, der Sohn des Antipatros und in den Quellen nicht zu Unrecht megas, „der Große“, genannt. Herodes war ein Virtuose der Macht: Der neue Regent verstand sich nicht nur darauf, die innerrömischen Querelen richtig zu deuten und für Judäa durch geschickte Wahl seiner römischen Partner – erst Antonius, dann Oktavian, der nachmalige Augustus – stets das Optimum herauszuholen; Herodes wusste auch durch geschickte Dosierung von Verlockungen und Gewalt sein politisch-kulturell notorisch zerklüftetes kleines Reich ruhig zu halten.
In Judäa rangen längst nicht nur Juden und die inzwischen in großer Zahl eingewanderten, überwiegend griechischsprachigen Nicht-Juden um die Deutungsmacht, sondern mehr noch die verschiedenen, miteinander rivalisierenden Strömungen des Judentums selbst. Herodes balancierte die widerstreitenden Interessen geschickt gegeneinander aus und verpflichtete sich die Griechen weit über Judäa hinaus durch wohlkalkulierte Großzügigkeit.
Die Juden nahm der spendable König durch den prachtvollen Ausbau des Jerusalemer Tempels für sich ein. Im Jahr 4 v. Chr. starb Herodes knapp 70-jährig. Er hinterließ drei Söhne, von denen Herodes Archelaos die Herrschaft über das gesamte Königreich antrat, während seine Halbbrüder Herodes Antipas und Herodes Philippos mit kleinen Fürstentümern abgefunden wurden. Diese Erbfolgeregelung erwies sich allerdings als krasse Fehlkonstruktion, weil Archelaos weder über die nötige Autorität noch über das politische Geschick seines Vaters verfügte.
6 n. Chr. beendeten die Römer das Experiment judäischer Autonomie, machten das kleine Land im Osten zur Provinz und unterstellten es einem Statthalter aus dem Ritterstand. Dem Status und ihren Führungsqualitäten nach waren diese Männer zweite Garnitur. Der von 26 bis 36 n. Chr. amtierende Pontius Pilatus ist der berühmteste der insgesamt sieben Präfekten von Judäa: Den zweifelhaften Ruhm verdankt er seiner Verstrickung in die Passionsgeschichte Jesu.
Die 6 n. Chr. eingerichtete Provinz ist Schauplatz der meisten Ereignisse, von denen im Neuen Testament berichtet wird. Friede kehrte unter der direkten Herrschaft Roms nicht ein. Immer radikalere „Eiferer“ – Zeloten – begehrten nicht nur gegen das Imperium auf, sondern auch gegen das jüdische Establishment, dem sie Kollaboration mit den Römern vorwarfen. Noch im kleinsten Dorf mobilisierten selbsternannte Propheten Scharen von Anhängern. Jesus war nur einer von vielen, die dem darbenden Volk eine bessere Zukunft versprachen.
Statthalter, die sich bereichern und die Konflikte anheizen
Im aufgeheizten Klima der 20er und 30er Jahre trieben Hass und Hetze unappetitliche Blüten. Eine Strategie, die diesen Namen auch verdient hätte, besaßen die Römer nicht für die ins Chaos abgleitende Provinz. Stattdessen versuchten sie es mit trial and error. Wenn das Statthalterregiment nicht funktionierte, warum probierte man es nicht noch einmal mit indirekter Herrschaft? Dummerweise verstarb Herodes Agrippa, den Kaiser Claudius 41 n. Chr. zum König von Judäa und Samaria ernannt hatte, bereits drei Jahre später unerwartet, und dessen Sohn Herodes Agrippa II. war zu diesem Zeitpunkt noch so jung, dass er für die Nachfolge nicht in Frage kam.
Also musste Claudius wohl oder übel erneut Statthalter in das gepeinigte Land schicken. Wieder waren es sieben – jetzt Prokuratoren genannte – Männer aus dem Ritterstand, die einander in der Verwaltung der Unruheprovinz ablösten. Über ihre Qualitäten machte sich Josephus keine Illusionen: Unfähig, korrupt und brutal waren die meisten der Beamten, die Rom nach Judäa entsandte. Kultursensibilität den Juden und ihrer Religion gegenüber gehörte gewiss nicht zu ihren Stärken. Die Anliegen der Provinz waren ihnen herzlich gleichgültig.
Über Lucceius Albinus, Statthalter von 62 bis 64 n. Chr., bemerkt Josephus, er habe das Land ausgeplündert und Kriminelle gegen Zahlung von Geld aus den Gefängnissen entlassen: „So leerten sich die Gefängnisse von Übeltätern, das Land aber füllte sich mit Banditen.“ Doch selbst Albinus habe gegen den letzten Mann aus der Reihe, den von 64 bis 66 amtierenden Gessius Florus, wie ein „höchst ehrenwerter Mann“ gewirkt. Denn während Albinus seine Untaten wenigstens im Verborgenen begangen habe, führt Josephus weiter aus, habe Gessius sich „mit seinen Verbrechen gegen das Volk“ gebrüstet und „keine Gelegenheit zu Raub und Misshandlung ungenutzt“ verstreichen lassen.
Missmanagement und Korruption verschlechterten die ohnehin angespannte Sicherheitslage noch weiter. Gewalt provozierte Gegengewalt, und immer mehr Juden radikalisierten sich. Der Terror der besonders fanatisierten „Dolchstecher“ – Sikarier – richtete sich gegen Römer und Griechen, aber auch gegen jüdische Zufallsopfer auf der Straße. Man war seines Lebens nicht mehr sicher.
Tumult in Caesarea geht in einen Aufstand über
Das Fass zum Überlaufen brachte ein eigentlich banaler Konflikt in der Hafenstadt Caesarea, in der Juden nur die Minderheit der Stadtbevölkerung stellten. Es ging um den Zugangsweg zu einer Synagoge, die der nicht-jüdische Nachbar versperren wollte, indem er das Grundstück bebaute. In ihrer Not bestachen die Juden den Statthalter Gessius, der ihnen versprach, die Baugenehmigung zurückzuziehen. Gessius nahm zwar das Geld, tat in der Sache aber nichts. Als dann auch noch nicht-jüdische Bürger die Synagogen-Besucher am Sabbat provozierten, brachen Tumulte aus, die von Caesarea auf das flache Land und von dort auf Jerusalem übergriffen.
Die Provinz war in Aufruhr. Wie ein Brandbeschleuniger wirkte in dieser Situation der beherzte Griff in die Tempelkasse, mit dem Gessius die Steuerausfälle in der Unruheprovinz ausgleichen wollte. Das jüdische Establishment und Herodes Agrippa II. versuchten, an der Schwelle zur offenen Rebellion noch zu vermitteln, doch dem Heer, das Agrippa entsandt hatte, gelang es trotz römischer Hilfe nicht, Jerusalem gegen die Aufständischen zu verteidigen. Der syrische Statthalter Gaius Cestius Gallus nahm einen vergeblichen Anlauf, Jerusalem zurückzuerobern. Er musste mit seinem Heer unter schmachvollen Umständen den Rückzug antreten.
Während Kaiser Nero (54 – 68) mit Vespasian seinen fähigsten Feldherrn mit dem Feldzug gegen die Juden betraute, verlagerte sich der Schwerpunkt der Kampfhandlungen ins Hügelland von Galiläa. Stadt um Stadt mussten die Römer mühsam erobern. Bis Mitte 68 streckten alle Festungen außer Herodion, Masada und Jerusalem die Waffen. Die Hauptstadt war stark befestigt, und die beiden früheren Residenzen des Herodes waren dank ihrer Lage auf Berggipfeln so gut wie uneinnehmbar.
Auf römischer Seite brachte die Ermordung Neros im Juni 68 die Operationen vorübergehend zum Stillstand. Vespasian verhielt sich in der Regierungskrise zunächst abwartend und beobachtete das Ausbrechen der Bürgerkriege von Ägypten aus, wo er sich am 1. Juli 69 zum Kaiser ausrufen ließ.
Die Festung Masada wird noch drei Jahre gehalten
Währenddessen bekämpften sich im eingeschlossenen Jerusalem nicht weniger als drei verfeindete Zeloten-Fraktionen gegenseitig. Angeführt wurden sie von den Helden des Befreiungskampfes: Johannes von Gischala, der Galiläa verteidigt hatte und in Jerusalem ein Terrorregiment errichtete; Eleazar ben Simon, der 66 den syrischen Statthalter Gallus besiegt hatte; Simon bar Giora, von dem sich die Jerusalemer erhofften, er möge sie von Johannes befreien.
Eleazar wurde ermordet, doch Johannes und Simon setzten den Bruderkrieg fort, bis Titus im Sommer 70 die Belagerungsmaschinen vor der Stadt auffahren ließ. Nachdem im August Jerusalem gefallen war, kehrte Vespasians Sohn Judäa den Rücken und feierte in Rom den verdienten Triumph. Den staunenden Römern präsentierte er nicht nur die Gefangenen, sondern auch den Tempelschatz, den die Sieger im „Friedenstempel“, Templum Pacis, einlagerten.
Ganz zu Ende war der Krieg damit allerdings noch nicht. Fanatische Zeloten hielten noch immer die Bergfestungen Herodion und Masada besetzt. Während Herodion bereits 71 fiel, harrte die Besatzung Masadas – mitsamt Frauen und Kindern – noch weitere drei Jahre aus. Im April 74 ließ der Statthalter Lucius Flavius Silva eine gigantische Rampe errichten, um der Zitadelle mit Belagerungsmaschinen zu Leibe rücken zu können.
Josephus berichtet, wie die Zeloten zuerst ihre Frauen und Kinder töteten und dann zehn Männer aus ihrer Mitte bestimmten, die zuerst alle anderen und schließlich sich selbst töten sollten. Vermutlich ist die Erzählung von den letzten Stunden Masadas ein Mythos, aber ein über Jahrtausende wirkmächtiger: Bis 1991 vereidigte die israelische Armee auf dem Bergplateau hoch über dem Negev ihre Rekruten. „Masada wird nicht wieder fallen“ ist so etwas wie das Glaubensbekenntnis des Zionismus.
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