Von diesem Schlag sollte sich Leipzig nie wieder erholen: Das Graphische Viertel, ein Mekka der Liebe zum Buch, in dem unzählige Verlage und Druckereien residiert hatten – 1945 lag es in Trümmern. Vier Kilometer westlich allerdings hatte der Industriestadtteil Plagwitz den Bombenkrieg halbwegs glimpflich überstanden. Und damit auch die Dr. Karl Meyer GmbH, die dort Reiseliteratur produzierte: mit Verlag, Druckerei und Buchbinderei unter einem Dach. Ihr historisches Gebäude mit der Art-déco-Fassade ist heute Sitz des Museums für Druckkunst.
Auf vier weitläufigen Stockwerken kann man tief eintauchen in die Art und Weise, wie im 19. und 20. Jahrhundert täglich Lesestoff produziert wurde: Bücher und Tageszeitungen, illustrierte Zeitschriften, Postkarten und Plakate. Fast 100 funktionstüchtige Maschinen sind zu sehen, die Besuchern auch vorgeführt werden können: Setzmaschinen, die an eine überdimensionierte Schreibmaschine erinnern. Gießmaschinen, auf denen zuvor die nötigen Schrifttypen entstanden waren. Rotierende Zylinderpressen, die den täglichen Zeitungsdruck enorm auf Touren brachten.
Aber schon die Entwicklungen seit dem 16. Jahrhundert, wie sie hier gezeigt werden, standen unter dem Vorzeichen der Rationalisierung. Mühsam war das Drucken mit der Columbia-Presse, einem übermannshohen schwarzen Eisenmonstrum von 1842, das die Besucher im Eingangsbereich empfängt: Man druckte Blatt für Blatt, aber mithilfe eines Hebelmechanismus doch schon weit schneller als 100 Jahre zuvor mit der hölzernen Spindelpresse, deren Schraubprinzip schon Johannes Gutenberg angewandt hatte. Blatt für Blatt, abermals ungleich schneller, druckte noch der legendäre Heidelberger Tiegel – hergestellt bis 1985 und damit eine der meistgebauten Druckmaschinen der Geschichte.
Die verschiedenen Druckverfahren werden skizziert: Neben dem Hochdruck, dessen Prinzip sich in jedem Bürostempel wiederfindet, etwa auch der Steindruck. Der wurde um 1800 erfunden und ist auch als Lithographie bekannt. Dabei dient ein präparierter Kalkstein als Druckform. Auf der fast raumhohen und fünf Meter langen Steindruck-Schnellpresse der Firma Faber & Schleicher aus Offenbach ließen sich bis zu 1000 Blatt in der Stunde drucken. Nicht weniger als drei Menschen standen 1894 an einer solchen Presse.
Doch da gab es auch schon ganz andere Druckmethoden: etwa den Lichtdruck, der ein Stockwerk höher präsentiert wird. Eine lichtempfindliche Schicht auf Gelatinebasis wurde an den gewünschten Punkten bestrahlt und so gehärtet. Trug man danach Druckerfarbe auf, haftete diese nur an den gehärteten Punkten. Dann brachte man die Platte mit Papier in Kontakt und bedruckte es. Das Verfahren wird erläutert in Form eines Bilderrätsels – das vor Augen führt, welch großes Können man mitbringen musste, um als Drucker zu arbeiten.





