Diesem Geschichten- und Geschichte- Erzähler wurden aufgrund seiner Vielseitigkeit von der Forschung schon die Eigenschaften eines Geschichtsschreibers, eines Ethnologen, eines Geologen oder eines Geografen verliehen. Dem versucht Hakan Baykal, der als freier Autor und Journalist tätig ist, nun eine weitere – nämlich die eines Reporters – hinzuzufügen.
Im Buch übernimmt Baykal allerdings selbst die Recherchearbeit. Es ist in sechs Hauptartikel untergliedert, welche wiederum einzelne kurze Abschnitte enthalten. In diesen wird jeweils eine Anekdote aus Herodots Historien aufgegriffen, die sich wahlweise um Menschenopfer, Prostitution oder ein legendäres Volk dreht. Dabei knüpft der Autor die Erzählung Herodots meist an eine nachantike Begebenheit an, um von dort dem Leser Parallelen aufzuzeigen und eine moderne wissenschaftliche Erklärung für das von Herodot beschriebene Phänomen zu geben.
Durch die kurzen Kapitel und die einzelnen in sich abgeschlossenen Anekdoten eignet sich das Buch sehr gut für die kurzweilige Unterhaltung und informiert den Leser über allerhand kuriose Geschichten. Damit imitiert Baykal zwar den Stil Herodot, aber über Herodot erfährt der Leser relativ wenig. Auch wird das mit dem Titel gegebene Ziel nicht erreicht, die journalistische Tätigkeit Herodots – und sei es auch nur als Klatschreporter – herauszuarbeiten.
Auch wenn in diesem Buch viel weniger Herodot steckt als es auf den ersten Blick scheint, zeigt es doch gut, wie der erste Geschichtsschreiber Begebenheiten aufgeschrieben hat, die sich im Lauf der Geschichte immer wiederholt haben und zum Teil erstaunlich modern anmuten.
Rezension: Philipp Hagdorn





