Der Band ist chronologisch gegliedert und umfasst eine sehr lange Vorkriegszeit (1870–1914), die fünf Kriegsjahre (1914–1918) sowie die unmittelbare Nachkriegszeit (1919–1923). Jedem der sieben Kapitel sind eine kurze Einführung und eine Chronik des jeweiligen Zeitabschnitts vorangestellt, denen Abhandlungen zu den politischen und militärischen Ereignissen, seltener zu wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungen, folgen. Diese sind angereichert durch zahlreiche biographische sowie militär- und kriegstechnische Informationen, basierend auf einem überaus eindrucksvoll gestalteten Bild- und Kartenmaterial.
Es verwundert, dass der Autor Reg G. Grant bereits den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 als Ausgang für die „Spannungen in Europa“ vor dem Ersten Weltkrieg ausmacht. Ursächlich für diese Spannungen waren jedoch die imperialistischen Bestrebungen und der Rüstungswettlauf der Großmächte sowie die zunehmende Verkrustung der europäischen Bündnissysteme, die zu den folgenschweren „Krisen und Konflikten“ vor und nach der Jahrhundertwende führten.
Auch wenn im Band zweifellos die militärischen Ereignisse an der Westfront überwiegen, so sind die Fronten im Osten und auf dem Balkan, ebenso wie der Krieg in den Alpen, der international geführte Seekrieg, aber auch die außereuropäischen Kriegsschauplätze, knapp aber angemessen dokumentiert. Gleiches gilt für die politischen Entwicklungen, unter denen dem Kriegseintritt der USA und den Revolutionen in Russland (beide 1917) nachhaltige Bedeutung zukommt. Warum der Autor zögert, die von türkischen Nationalisten entfachten Massaker an den Armeniern (1915) als „Völkermord“ zu benennen, ist nicht einsichtig. Etwas stiefmütterlich fällt die Schilderung der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Verhältnisse an den „Heimatfronten“ aus. Gehungert wurde nicht erst 1918. Hierzu hat die „neue Weltkriegsforschung“, insbesondere die Alltags- und Mentalitätsgeschichte, wichtige Erkenntnisse geliefert.
Das abschließende Kapitel „Nachkriegszeit“ erörtert die internationalen diplomatischen Bemühungen, die schreckliche Hinterlassenschaft des Weltkriegs friedlich zu gestalten. Die Pariser Friedenskonferenz, von der die Verlierer des Krieges ausgeschlossen waren, endete mit der Unterzeichnung des Friedensvertrags von Versailles, der von einer Mehrheit der Deutschen wegen der harschen Bedingungen und der ihnen zur Last gelegten „Kriegsschuld“ (Artikel 231) abgelehnt wurde. Für den Autor liegt hier der Grund für den Aufstieg des Nationalsozialismus und seines (mit zahlreichen Konterfeis dokumentierten) Führers.





