Seit seiner Auseinandersetzung mit Thomas Müntzer schwebt über dem Wittenberger Reformator Martin Luther das Urteil, er sei ein „Fürstenknecht“ gewesen. Die marxistische Geschichtsschreibung hat sich diese Beurteilung zu eigen gemacht, noch heute gilt sein Agieren im Bauernkrieg als schlimme Entgleisung. Luther, so scheint es, begründete jene unselige Tradition bedingungsloser deutscher Untertanenfrömmigkeit, die jedwede Obrigkeit verherrliche, keinen Widerstandsgeist kenne, Zivilcourage abtöte und den nationalsozialistischen Terror möglich gemacht habe.
In der Tat: Die „Deutschen Christen“, die nationalsozialistische Gruppierung innerhalb der evangelischen Kirche, konstruierten eine historische Genealogie, die „von Luther zu Hitler“ verlief – meist über die Zwischenstationen Friedrich der Große und Bismarck. Und die Kritiker des „Dritten Reichs“, zunächst vor allem im angloamerikanischen Ausland, nahmen diese Interpretation auf – natürlich mit umgekehrter Wertung – und wollten eine deutsche politische Tradition der Hörigkeit, des Nationalismus und der Intoleranz erkannt haben, die in Luther ihren ersten, prägenden Bezugspunkt gehabt habe. …
Den vollständigen Artikel lesen Sie in DAMALS 5/2015.
Prof. Dr. Thomas Kaufmann





