Die Schlacht an der Somme in Nordfrankreich gilt bis heute als die wichtigste und verlustreichste Schlacht des Ersten Weltkriegs. Zwischen dem 1. Juli und dem 18. November 1916 starben dort mehr als eine Million Soldaten, viele weitere wurden verwundet oder blieben vermisst. Ausgangspunkt war eine von befestigten Gräben gesäumte Frontlinie zwischen deutschen Truppen auf der einen und den alliierten französischen und britischen Truppen auf der anderen Seite. Beide Kriegsparteien lagen sich in dem hügeligen Gebiet zwischen den Flüssen Somme und Ancre in einem Stellungskrieg gegenüber.
Die große Sprengung an der Somme
Am 1. Juli 1916 plante das britische Militär einen wichtigen Schlag gegen die Deutschen: Soldaten gruben heimlich hunderte Meter lange Tunnel unter dem Niemandsland hindurch bis unter die deutschen Stellungen und platzierten dort 19 potente Sprengladungen. “Diese Minen sollten nicht nur die deutschen Befestigungen zerstören, sondern waren bewusst so überdimensioniert, dass sie Krater mit ausgeprägten Rändern verursachten”, erklären Kris Wisniewski von der britischen Keele University und seine Kollegen. “Diese sollten den angreifenden britischen Truppen Schutz bieten – vorausgesetzt sie erreichten den Krater als erste.” Die größte dieser Minen mit mehr als 18.000 Kilogramm Ammoniak-basiertem Sprengstoff wurde an der Hawthorne Ridge nahe des Dorfs Beaumont-Hamel angebracht. Dort lag eine besonders stark befestigte deutsche Stellung.
Die Alliierten planten, die Sprengsätze am 1. Juli 1916 um 07:30 Uhr morgens zu zünden und damit ihre Offensive einzuleiten. Weil man jedoch befürchtete, dass die Megaexplosion am Hawthorn Ridge die eigenen Truppen bei ihrem Vorstoß verschütten könnte, beschloss man, diese Mine zehn Minuten vor den anderen zu zünden. Als der Sprengsatz um 07:20 Uhr hochging, war der Effekt spektakulär: “Der Boden unter mir ruckte und schwankte. Dann wurde der Boden Dutzende Meter hoch geschleudert – höher und höher stiegen die Erdmassen hinauf, bis sie mit einem schrecklichen Grollen wieder in sich zusammenstürzten”, berichtete der offizielle Kameramann der Briten, Geoffrey Malins, der die Sprengungen damals filmte.
Doch die verfrühte Explosion am Hawthorn Ridge war militärisch ein Fehler, wie heute klar ist: Zwar wurden viele deutsche Solldaten dabei getötet, gleichzeitig waren sie nun vor den folgenden Angriffen gewarnt. “Die Explosion der Mine an der Hawthorne Ridge war die erste Aktion in der Schlacht an der Somme und sollte den alliierten Truppen die Oberhand geben”, erklärt Co-Autor Peter Doyle von der University of London. “Doch die Deutschen eroberten die Krater als erste und nutzten dies zu ihrem Vorteil.” Als Folge scheiterte die alliierten Offensive und die Stellungen am Hawthorne Ridge konnten erst vier Monate später, nach einer zweiten Sprengung im November 1916 erobert werden.





