Damals, „als Herkules Friedrich die Keule führte“: Wie fast alle Dichter des deutschen Literaturfrühlings hat Friedrich Gottlieb Klopstock (1724–1803) die „Heldentaten“ des angeblichen Philosophen von Sanssouci verdammt und wie kaum ein anderer den Ausbruch der Französischen Revolution als „des Jahrhunderts edelste Tat“ begrüßt. „Gut sein! Gut sein! ist viel getan, / Erobern ist nur wenig“, sekundierte ihm Matthias Claudius (1740–1815) in einem Aufruf an die deutschen Fürsten. „Der gute Fürst“ war ein Thema, das jahrzehntelang in den Blättern der Aufklärer diskutiert wurde, und Titel eines Theaterstücks, das die würdevolle Begegnung des Dessauer Kleinfürsten Leopold Friedrich Franz mit Napoleon auf dem Dessauer Schloßhof zum Inhalt hat. Auch der französische Kaiser versuchte, den damals renommierte?sten deutschen Herrscher, „dessen bloßer Name ein Lobspruch ist“ (so der Dichter Friedrich von Matthison), vor den Wagen seiner Deutschland-Politik zu spannen. Leopold Friedrich Franz hatte einen Bund „der Guten aus uns“, einen Fürstenbund gegen die Expansionsgelüste der beiden deutschen Großmächte (Preußen und Österreich), initiiert, bei dem schlechte Regenten ausdrücklich außen vor bleiben sollten.
Mit seinen Entscheidungen auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet und als Beförderer der Pädagogik praktizierte der Dessauer Fürst die Aufklärung. Mit seinen Gartenschöpfungen und dem unter seiner Ägide durch Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff begonnenen kontinentalen Klassizismus verdrängte der Winckelmann-Schüler sogar den feudalen französischen Geschmack des Barock und Rokoko binnen weniger Jahre aus Deutschland. „Vater Franz“, wie ihn sein dankbares Volk an der Mittelelbe frühzeitig nannte, widmete sich – als Alternative zu Preußen und dessen kriegerischer Gloire, für die er selbst mit 16 Jahren in den dritten Schlesischen Krieg gezogen war – als Fürst dem friedlichen Ausbau seines Landes. So gab er dem „Vernunftrecht vor dem Schwertrecht“ den Vorzug, um noch einmal eine Formulierung des aufgeklärten Kriegsgegners und Revolutionssympathisanten Klopstock aufzugreifen.
Glückliche Umstände, die Freundschaft mit dem kultivierten sächsischen Adligen Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff, die Erziehung nach den modernen Anschauungen seiner aufgeklärten hugenottischen Lehrer (die Eltern hatte Leopold Friedrich Franz mit elf Jahren verloren), ließen in dem jungen Erbprinzen schon vor den Mauern des von Friedrich II. von Preußen vergeblich belagerten Prag den Entschluß reifen, der den Enkel des „Alten Dessauers“ zur Ver- und Bewunderung der Aufklärer zum „Friedensfürsten“ werden ließ. Mit 18 Jahren trat er 1758, mitten im Siebenjährigen Krieg, die Regierung seines kleinen Landes an (ungefähr 700 Quadratkilometer mit 35000 Einwohnern). Die Abgaben, die der Preußenkönig dem kleinen Land abverlangte, bezahlte der junge Fürst weitgehend selbst. Tafelsilber und Kronleuchter ließ er dafür einschmelzen. Aufmerksam verfolgten die Aufklärer, die Dessau als „Irenopolis“ (Friedensstadt oder -staat) und Leopold Friedrich Franz als „Friedensfürsten“, später als „Deutschen Aristides [wegen seiner Uneigennützigkeit gerühmter athenischer Staatsmann]“ bezeichneten, das Geschehen. Sie bewunderten, daß er noch während des Krieges die Salz- und Ölsteuer sowie den Fronpfennig erließ, der den Aufklärern schon vom Namen her ein Dorn im Auge war.





