Eine wichtige Quelle für alles, was wir heute über Guillaume de Maréchal wissen, ist eine um 1226 entstandene Biographie über ihn. Der britische Historiker Thomas Asbridge schildert, wie diese als Versgedicht abgefasste Biographie im 19. Jahrhundert wiederentdeckt wurde, und verwendet sie als wichtige Grund‧lage für seine Erzählung, obwohl er deren Autor gleichzeitig als „schamlos voreingenommen“ bezeichnet. So vermisst man an einigen Stellen eine Reflexion über den Wahrheitsgehalt des in der Biographie Geschilderten.
Asbridge ist ein packender Erzähler, der es versteht, die damalige Welt anschaulich vor Augen zu stellen. Er möchte den Leser mit dem abenteuerlichen Leben des Guillaume de Maréchal vertraut machen, dazu aber auch zeigen, wie sich, nicht zuletzt durch Guillaumes Verhalten, die Ideale und Verhaltensnormen des Rittertums herauszubilden begannen. Gleich am Beginn erlebt der Leser einen dramatischen Moment: Als Geisel sollte der fünfjährige Guillaume vom englischen König Stephan hin‧gerichtet werden, da sein Vater unbotmäßig geworden war. Nach bangem Warten wurde er aber schließlich begnadigt.
Asbridge berichtet dann von Kindheit und Jugend seines Protagonisten, von den chaotischen Zuständen im England des 12. Jahrhunderts, von den Kriegen gegen Frankreich, vom Glanz der Turniere und von den Intrigen der Mächtigen, in denen sich Guillaume de Maréchal stets umsichtig zu bewegen wusste. Es entsteht das Bild einer grau‧samen, brutalen Zeit, in der die einfache Bevölkerung oft die Leidtragende war und in der sich ein Ritter nicht nur durch Tapferkeit, Treue und ehrenhaftes Verhalten, sondern auch durch Gewitztheit und Egoismus auszeichnen musste, wollte er Erfolg haben.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger





