In drei Abschnitten werden zunächst die mittelalterlichen Texte mit ihren Autoren vorgestellt und analysiert, danach die realen Zeugnisse in Schrift, Abbild und materiellem Befund überprüft, um letztlich den weitgespannten Bogen mit einem Exkurs zur Forschungsgeschichte, zur Wiedergeburt des Grals in der Zeit der Romantik bis hin zu Richard Wagners „Parsifal“ sowie seiner Absorption in Okkultismus und Esoterik zu schließen.
Die meisten Gralsromane entstanden in der kurzen Zeitspanne zwischen 1190 und 1240. Im Vergleich der Autoren – Chrétien de Troyes mit dessen Fortsetzern und mit Robert de Boron – wird die Sonderstellung eines Wolfram von Eschenbach deutlich. Besonders die frühchristlichen und byzantinischen Traditionen werden anhand der Apokryphen und biblischen Texte, aber auch der weltlichen Literatur und der überlieferten Ikonographie herausgearbeitet.
Bedauerlicherweise geht der Autor auf Konrad Burdachs Ansatz, der den Pilgerbericht des Antoninus Placentinus von etwa 570 als das älteste Zeugnis für die Legende des Grals annimmt, nicht ein. Die Quelle berichtet vom Onyxkelch des letzten Passah-Mahles Jesu, der in der Basilika des Kaisers Konstantin zu Jerusalem verehrt wurde. Barber führt nur die etwa 100 Jahre spätere Überlieferung, den Palästina-Bericht des Arkulf, als erste Erwähnung einer der Kreuzigungsreliquien, hier ein Silberkelch mit zwei Henkeln, an. Harald Ehrhardt hat die englische Originalfassung in eine gelungene und einfühlsame deutsche Übersetzung gebracht. Die einzelnen Kapitel zieren liebevoll ausgewählte Vignetten. Ein reicher Anhang mit Anmerkungsapparat, Literaturhinweisen und Personenregister ermöglicht weiterführende Studien.
Barber zeigt die Gefahren dogmatischer Suche nach einem „Erzkonzept“ für den Gral auf. Waren es im Ursprung nun christliche, keltische, orientalische, mystische oder kabbalistische Traditionen? Dazu nochmals Barber: „Der Gral ist die Schöpfung einer poetischen Vorstellungskraft, die mit all diesen Stoffen arbeitet.“
Rezension: Prescher, Ina





