Das Bistum Halberstadt wurde im Jahr 804 von Kaiser Karl dem Großen gegründet und war bis zur Säkularisation 1648 eines der bedeutendsten im Reich. Der Halberstädter Dom St. Stephanus und Sixtus wurde zwischen 1236 und 1486 als Nachfolger eines ottonischen Vorgängerbaus errichtet, dem bereits eine karolingische Bischofskirche vorausgegangen war. Als herausragendes Kunstwerk des gotischen Doms gilt die um 1220 entstandene Triumphkreuzgruppe in der Lettnerhalle, die den Hohen Chor vom Querhaus trennt. Auf dem Tragebalken sind neben dem Gekreuzigten die Muttergottes, Johannes und zwei Engel dargestellt. Den östlichen Abschluss des Baus bildet als architektonisches Kleinod die Marienkapelle aus der Mitte des 14. Jahrhunderts.
Zu dem Ensemble des ungefähr 600 Objekte umfassenden Schatzes gehören alle im Mittelalter gebräuchlichen Kunstgattungen: Altarbilder, Skulpturen, Handschriften, Bronzewerke und Goldschmiedearbeiten sowie die berühmten Meisterwerke der Textilkunst aus der Zeit vom 5. bis zum 16. Jahrhundert. Ergänzt wird die Sammlung durch Werke aus der Spätantike, aus Byzanz, der islamischen Kunst der Fatamiden, der Stauferzeit und deutschen Künstlern der Romanik und Gotik. Zu dem Schatz gehört ebenso eine Sammlung von etwa 300 Münzen aus dem 11. bis zum 17. Jahrhundert, die eine numismatische Kostbarkeit darstellt und eine wichtige historische Quelle für die Geschichte von Dom und Bistum ist.
Zu den kostbarsten Textilien gehört der Abraham-Engel-Teppich, der älteste, fast vollständig erhaltene Wirkteppich des Abendlands. Der über zehn Meter lange, um 1150 entstandene Wandbehang beeindruckt bis heute durch seine tadellose Gewebestruktur und Farbintensität. Dargestellt werden vier zentrale Ereignisse aus dem Leben Abrahams auf der Grundlage des alttestamentlichen Textes im Buch Genesis.
Nachdem der neu konzipierte Domschatz seit dem Frühjahr 2008 bereits weit über 50.000 Besucher angezogen hat, erscheint nun das Buch, das rund 120 Kunstwerke aus dem Schatz in Bild und Text darstellt. Ausgewählt wurden die hauptsächlich aus dem frühen und hohen Mittelalter stammenden Kunstgegenstände, darunter auch 15 Objekte die hier zum ersten Mal publiziert werden, wegen ihrer historischen, liturgischen und kunsthistorischen Bedeutung.
Nach einer informativen Einführung zur Geschichte und Baugeschichte des Doms folgt der in sechs thematisch gegliederte Kapitel umfassende Katalog. Mit der Präsentation des, zumindest im mittelalterlichen Verständnis, wertvollsten Teils eines Kirchenschatzes, findet das Buch seinen Einstieg: die Reliquien der Heiligen und ihre Behältnisse. Gezeigt werden in den folgenden Kapiteln Objekte für den Gottesdienst, wertvolle Bücher, die den Reichtum der Dombibliothek dokumentieren, Teilstücke aus der mittelalterlichen Textiliensammlung und die Innenausstattung des Gebäudes mit seinem Mobiliar.





