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Der Hochmeister wird Herzog
Polen-Litauen erhöhte im Lauf des 15. Jahrhunderts den Druck auf den Deutschen Orden. Die Niederlagen für die Ritter häuften sich, zumal die angeforderte Hilfe aus dem Heiligen Römischen Reich oft nur zögerlich kam. Letztlich war es die Reformation, die den Ordensstaat endgültig zu Fall brachte.
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Die Zeit um 1400 gilt oft als „Blütezeit“ der Herrschaft des Deutschen Ordens in Preußen. Zwar wurde in dieser Zeit die größte Ausdehnung erreicht, doch waren die Erwerbungen wenig dauerhaft und die Lage unsicher. Gotland und Samaiten gingen bald wieder verloren, und die Neumark musste mehrfach mit neuen Gegenleistungen abgesichert werden.
Städte und Stände agierten zunehmend selbstbewusster, sodass schon unter Ulrich von Jungingen 1408 erstmals politische und rechtliche Klagen zur Sprache kamen. Der Eigenhandel des Ordens verlor die Unterstützung der führenden preußischen Kaufleute und war schon vor 1410 durch umfangreiche Außenstände belastet.
Dazu kam das ungeklärte Verhältnis zu Polen-Litauen. Vytautas hatte sich 1401 mit der Union von Vilnius und Radom wieder an den polnischen König Wladislaw Jagiello angenähert, der ihn als Großfürsten unter polnischer Oberhoheit annahm. Dennoch kam es im Mai 1404 im Frieden von Razianz noch einmal zu einem Ausgleich mit dem Orden. Für den Verzicht auf das als Pfand erworbene Land Dobrin wurde diesem erneut Samaiten übertragen.
Die beiden Parteien rüsten sich für die Schlacht
Bald zeigte sich jedoch, dass wenig erreicht war. Vytautas hatte den Orden zunächst zur Rückeroberung Samaitens gedrängt und dafür eigene Truppen entsandt. Nunmehr trat er aber wieder auf die Seite der Aufständischen. Als auch der polnische König in Samaiten eingriff, reagierte der Hochmeister 1409 mit einem Einfall in das Dobriner Land. Ein Vermittlungsversuch König Wenzels von Böhmen wurde von Polen als einseitig abgelehnt, sodass beide Seiten den bis Anfang Juli 1410 verlängerten Waffenstillstand zur Kriegsvorbereitung nutzten.
Unmittelbar nach Ablauf der Frist marschierte das polnisch-litauische Heer von Süden in Preußen ein. Am 15. Juli 1410 kam es bei Tannenberg/Grunwald zu einer schweren Niederlage des Ordens gegen das zahlenmäßig überlegene polnisch-litauische Heer. Neben dem Hochmeister kamen fast alle führenden Gebietiger, mehr als 200 Ritterbrüder, viele Ordensuntertanen und Söldner um, andere gerieten in Gefangenschaft.
Der Sieg bewirkte, dass sich fast das gesamte Ordensland dem polnischen König unterwarf. Bischöfe und Städte erhielten erweiterte Bestätigungen ihrer Privilegien, die Ordensburgen wurden besetzt. Heinrich von Plauen, der Komtur von Schwetz, der den Westen Preußens verteidigen sollte, konnte jedoch noch vor Eintreffen der polnisch-litauischen Truppen die Marienburg mit Ritterbrüdern und Söldnern besetzen. Bald trafen auch Hilfstruppen aus dem Reich und Livland ein, während König Wladislaw Jagiello zwei Monate lang vergeblich die Marienburg belagerte.
Als er sich schließlich Ende September 1410 zurückziehen musste, wurde die Herrschaft des Ordens in Preußen vollständig erneuert. Heinrich von Plauen wurde im November 1410 zum neuen Hochmeister gewählt und erreichte schließlich mit dem im Januar und Februar 1411 ausgehandelten Ersten Thorner Frieden einen relativ glimpflichen Ausgang des Krieges.
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Der Orden musste mit Ausnahme Samaitens, das nun auf Lebenszeit bei Wladislaw Jagiello und Vytautas bleiben sollte, keine territorialen Verluste hinnehmen. Schwerwiegender war die auf 100 000 Schock böhmischer Groschen (ein Schock = 60 Groschen) festgelegte Kontribution. Der Krieg hatte durch die Bezahlung der Söldner die finanziellen Reserven des Ordens aufgebraucht, und die Zerstörungen führten zu einem deutlichen Rückgang seiner Einkünfte.
Heinrich von Plauen ließ daher 1411 und erneut 1412/13 in Preußen erstmals allgemeine Steuern erheben. 1411 geschah das gegen den Widerstand der großen Städte, 1412/13 wurden dagegen ausgewählte ständische Vertreter an der Steuererhebung beteiligt. Das Verhältnis zu den Ständen sollte sich dennoch auch im Folgenden als problematisch erweisen.
Der Erste Thorner Frieden brachte jedoch keine Lösung der grundlegenden Probleme. Als Heinrich von Plauen im Sommer 1413 daher erneut mit der Vorbereitung eines Krieges begann, stieß das auf den Widerstand der führenden Ordensbrüder. Wegen seiner eigenmächtigen Politik erklärten sie ihn im Oktober 1413 für abgesetzt und nahmen ihn gefangen. Er sollte erst kurz vor seinem Tod 1429 noch einmal ein Ordensamt erhalten. Aber auch der neue Hochmeister Michael Küchmeister, der sich nach seiner Wahl beim König für die Politik seines Vorgängers entschuldigte, konnte den erneuten Ausbruch des Krieges 1414 nicht verhindern.
Während die Ordenstruppen einer Feldschlacht auswichen, zerstörten die polnisch-litauischen Truppen weite Teile des Landes und nahmen auch Kirchen und Klöster nicht aus. Die folgenden, immer nur jährlich verlängerten Waffenstillstände ließen dem Orden wenig Spielraum.
Der Hochmeister sieht keine Alternative zu Friedensverhandlungen
Auch auf dem Konstanzer Konzil (1414–1418) kam es zu keiner Entscheidung, und Schiedssprüche des römisch-deutschen Königs Sigismund von 1412 und 1420 blieben ohne Wirkung. Vielmehr brach der Krieg im Sommer 1421 von Neuem aus. Bald forderten die Stände angesichts der Verwüstungen im Lande Friedensverhandlungen.
Dem neuen Hochmeister Paul von Rusdorf blieb trotz des Drängens der Reichsfürsten, die Ankunft der im Reich mobilisierten Kontingente abzuwarten, nur die Option, im September 1422 Frieden zu schließen. Der Friede vom Melnosee brachte eine fast 500 Jahre geltende Grenzziehung zu Litauen, da der Orden auf Teile der „großen Wildnis“ im Osten des Landes und auf Samaiten verzichtete. Auf polnischen Wunsch erhielten die Stände nunmehr ein Widerstandsrecht, das ihnen erlaubte, dem Orden bei einem Friedensbruch die Treue aufzusagen.
Doch auch der Friede vom Melnosee hielt nur wenige Jahre. Nach dem Tod des Großfürsten Vytautas (1430) unterstützte Rusdorf dessen Nachfolger Švitrigaila, den Bruder des polnischen Königs. Wladislaw Jagiello setzte jedoch seinen Kandidaten, Vytautas’ Bruder Sigismund, durch. Gleichzeitig verbündete er sich mit den böhmischen Hussiten, die 1433 in Preußen einfielen.
Die Stände fordern Rechte und Kontrollinstanzen ein
Nach einer schweren Niederlage des livländischen Zweigs des Deutschen Ordens im September 1435 in der Schlacht an der Swenta musste der Hochmeister seine Unterstützung Švitrigailas endgültig aufgeben. Im Dezember 1435 kam es so zum „Ewigen Frieden von Brest“, der die Bestimmungen des Friedens vom Melnosee weitgehend bestätigte.
Seit der Huldigungsversammlung für Heinrich von Plauen im Februar 1411 erhoben die Stände immer wieder die Forderung, Ritter und Knechte, Städte und das gesamte Land sollten bei ihren Rechten gelassen werden. Dafür wurden als Kontrollinstanzen ein Landesrat bzw. jährliche Richttage mit paritätischer Zusammensetzung gefordert. Für den Orden hätte dies jedoch die Verletzung seiner kirchlichen Privilegien bedeutet.
Am Ende kam es daher im März 1440 zur Bildung des „Preußischen Bundes“ der Stände, der sich gegen jede äußere Gewalt – und damit auch gegen den Orden – richtete. Hochmeister Konrad von Erlichshausen konnte noch einen Konflikt vermeiden, doch änderte sich das unter seinem Nachfolger Ludwig von Erlichshausen, da der Oberste Spittler Heinrich Reuß von Plauen und andere Brüder auf eine Auflösung des Bundes drängten.
Die Mission eines päpstlichen Legaten 1450/51 schlug fehl, sodass Friedrich III. (römisch-deutscher König 1440–1493, seit 1452 Kaiser) um eine Entscheidung angerufen wurde. Nach Anhörung beider Seiten erfolgte Anfang Dezember 1453 das kaiserliche Urteil. Friedrich III. entschied, der Preußische Bund sei unrechtmäßig und aufgehoben.
Noch während die Ordensvertreter die Ausstellung der Urkunden abwarteten, begannen die Stände mit Kriegshandlungen. Innerhalb kurzer Zeit waren die meisten Burgen in der Hand der Aufständischen. Am 4. Februar 1454 kündigten die preußischen Stände dem Orden den Gehorsam auf, am 22. Februar folgte die polnische Kriegserklärung, und am 6. März verfügte Kasimir IV. (Großfürst von Litauen 1440–1492, seit 1447 polnischer König) die Inkorporation Preußens in das Königreich Polen.
Der Hochmeister wandte sich am 9. Februar 1454 mit einem dringenden Appell um Hilfe an Reichsfürsten und Reichsstände. Nur die Marienburg und Stuhm waren in der Hand des Ordens geblieben, doch kamen zunächst nur kleinere Kontingente nach Preußen.
Erst im September zog ein großes Söldnerheer unter Herzog Rudolf von Sagan zur Entlastung aus dem Reich nach Konitz. Auch König Kasimir IV. hatte ein größeres Heer zusammengezogen und nach Konitz geführt, wo es am 18. September zur Schlacht kam. Obwohl der Herzog fiel, besiegte das Ordensheer die polnischen Truppen. In der Folge konnte der Orden Dirschau und Mewe sowie Stützpunkte in Pomesanien zurückgewinnen. 1455 begannen die Ordenstruppen mit einer Offensive im preußischen Niederland und eroberten Königsberg. Die Folge war ein langwieriger Krieg, der sich trotz mehrfacher Vermittlungsversuche noch bis zum Oktober 1466 hinzog.
Nicht entlohnte Söldner verkaufen die Marienburg
Auf beiden Seiten verursachte die Bezahlung der Söldner erhebliche Probleme. Der Hochmeister sah sich schon im Oktober 1454 gezwungen, die Marienburg und weitere Burgen für die Soldzahlungen zu verpfänden. Bald war der Orden nicht mehr zahlungsfähig, sodass die Söldner die Marienburg und fünf andere Burgen im August 1456 an den von Danzig unterstützten polnischen König verkauften. Der Hochmeister zog im Juni 1457 nach Königsberg, das zur neuen Residenz wurde. Obwohl Ordenstruppen bis zur Niederlage in der Schlacht bei Schwetzin im September 1462 erfolgreich im Westen operierten, behauptete der Orden letztlich nur den östlichen Teil Preußens.
Die Teilung Preußens wurde durch den Zweiten Thorner Frieden vom 19. Oktober 1466 festgeschrieben. Pommerellen, das Kulmerland, Thorn, Danzig, Elbing sowie das Bistum Ermland wurden als Königliches Preußen autonomer Teil der polnischen Krone. Der Orden behielt die Gebiete der Bistümer Pomesanien und Samland. Der Hochmeister wurde zum „Fürst und Ratgeber“ des polnischen Königreichs und sollte dem König künftig einen Treueid schwören. Damit war auch die Teilnahme an polnischen Reichstagen und an Feldzügen des Königs verbunden, doch kam es nur 1497 zur Beteiligung eines größeren Kontingents unter Hochmeister Hans von Tiefen.
Der Zweite Thorner Friede fand weder beim Orden im Reich noch bei Kaiser und Papst Anerkennung. Die Hochmeister unternahmen daher nach 1466 mehrfach den Versuch einer Revision. 1477 verweigerte Hochmeister Martin Truchsess die Leistung des Treueids und stellte sich gegen Kasimir IV. auf die Seite des Bischofs von Ermland. Ohne weitere Unterstützung musste Truchsess aber einlenken, und 1479 wurde der Frieden wiederhergestellt. Um stärkere Unterstützung aus dem Reich zu erhalten, entwickelte Hochmeister Hans von Tiefen den Plan, einen Reichsfürsten zu seinem Nachfolger wählen zu lassen. Dies wurde 1498 mit der Wahl Friedrichs von Sachsen umgesetzt.
Der neue Hochmeister kam mit einem humanistisch geprägten Beraterkreis unter dem Kanzler Paulus von Watt. Dessen Reformen brachten erste Schritte zu einem fürstlichen Regiment: eine neue Verwaltung mit weltlichem Personal, eine durch direkte Einkünfte aus den Ämtern gesicherte Finanzierung und die Entwicklung der Gebietiger zum eigenen Stand. Friedrich verweigerte den Treueid, konnte aber ebenfalls keine Revision des Thorner Friedens durchsetzen.
Nach seinem Tod Ende 1510 wählten die führenden Brüder mit Albrecht von Brandenburg-Ansbach einen weiteren Reichsfürsten zum Hochmeister. 1517 schloss dieser ein Bündnis mit Großfürst Wassili III. von Moskau und begann 1519 einen Krieg gegen Polen-Litauen. Im sogenannten „Reiterkrieg“ gelangen Albrecht zwar kleinere militärische Erfolge, doch musste er 1521 nach beiderseitiger Erschöpfung einem vierjährigen Waffenstillstand zustimmen. Der Hochmeister versuchte danach vergeblich, Unterstützung aus dem Reich zu gewinnen. Dabei kam er wohl bereits im Herbst 1522 in Nürnberg mit der Reformation in Kontakt.
Im Juni 1523 wandte sich Albrecht mit der Bitte an Martin Luther, ihm für eine Reform des Ordens und des Klerus in Preußen Rat zu geben. Luther veröffentlichte daraufhin seine Schrift „An die herrn Deutschs Ordens, das sie falsche keuscheyt meyden und zur rechten ehlichen keuscheyt greyffen. Ermanung“. Der Reformator empfahl darin, den Orden aufzulösen und Ehen zu schließen. Bei einer persönlichen Begegnung im November 1523 soll Luther Albrecht zudem vorgeschlagen haben, aus Preußen ein weltliches Fürstentum zu machen.
Das Ende: Herzog Albrecht wird Vasall von Sigismund I.
Mittlerweile rückte der Ablauf des Waffenstillstands näher, ohne dass Albrecht vom Kaiser und den Fürsten Unterstützung erhalten konnte. Daher reisten Albrechts Gesandte zu Verhandlungen nach Krakau. Dort wurde schließlich am 8. April 1525 der Krakauer Vertrag geschlossen, in dem Albrecht anfangs als Hochmeister, dann als Herzog in Preußen angesprochen wird. Am 10. April leistete er vor König Sigismund I. den Vasalleneid. Damit endete die 300-jährige Herrschaft des Deutschen Ordens in Preußen.
Möglich wurde dies durch die Reformation in Preußen, die schon 1523 unter Förderung der Bischöfe des Samlands und Pomesaniens, Georg von Polentz und Erhard Queis, begonnen hatte. Wie Albrecht 1526 in seiner Rechtfertigungsschrift „Christliche Verantwortung“ gegen die Vorwürfe des Deutschmeisters Dietrich von Cleen ausführte, habe ihn die Lehre Luthers zur Einsicht geführt, dass er mit der Ordensregel gegen das göttliche Wort gelebt habe. Für die Umwandlung Preußens in den ersten protestantischen Territorialstaat verwies er auf die aussichtslose politische Lage und auf den Wunsch seiner Untertanen, in den Predigten das reine, lautere Wort Gottes zu erfahren, was die Ordensherrschaft verhindert habe.
Dietrich von Cleen und der livländische Meister Wolter von Plettenberg zeigten kein Verständnis für Albrechts Schritt. Vielmehr hielt der Deutsche Orden noch über Jahrhunderte den theoretischen Anspruch auf Preußen aufrecht. Cleens Nachfolger Walter von Cronberg erhielt 1527 von Kaiser Karl V. das Recht, den Titel „Administrator des Hochmeistertums in Preußen“ zu führen. Daher gab es bis zu den Reformen des 19. Jahrhunderts keine Hochmeister, auch wenn sich für die Amtsinhaber am neuen Sitz Mergentheim die Titulatur „Hoch- und Deutschmeister“ durchsetzte.
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