In der europäischen Geschichte zählt der Wiener Kongress zu den bedeutendsten internationalen Großereignissen. Vor 200 Jahren war Wien mehrere Monate lang das politische, kulturelle und gesellschaftliche Zentrum Europas. Gastgeber war Kaiser Franz I. von Österreich. Alle großen Mächte Europas sandten ihre Delegierten, um gemeinsam über die Neuordnung des Kontinents, der durch die Napoleonischen Kriege seine politische Stabilität verloren hatte, zu beraten. Österreich wurde durch Fürst von Metternich repräsentiert, der auch als Präsident des Kongresses fungierte. Es war das erklärte Ziel, durch einen Ausgleich der Machtverhältnisse Frieden und Ordnung in Europa zu schaffen und dauerhaft zu sichern.
Begleitet wurden die diplomatischen Verhandlungen von gesellschaftlichen Ereignissen und Vergnügungen verschiedenster Art, deren ungeheure Prachtentfaltung in zahlreichen schriftlichen und bildlichen Dokumenten festgehalten ist. Wien blühte als Zentrum des kulturellen Lebens auf, zahlreiche Künstler kamen in die Kaiserstadt, und alle Sparten der heimischen Kunstproduktion wurden angeregt.
Zu wohl kaum einem anderen politischen, diplomatischen und gesellschaftlichen Geschehen des 19. Jahrhunderts existiert so viel unterschiedliches Material wie zum Wiener Kongress. Die Aufbereitung der Exponate für eine Ausstellung stellte die Kuratoren Sabine Grabner und Werner Telesko vor die Herausforderung, ein diplomatisches und historisches Ereignis, das vor allem als ein gesellschaftliches wahrgenommen wird, anschaulich zu präsentieren. Von der Reportagegrafik und der Karikatur über Historienbilder bis hin zu Porträts in mannigfachen Formaten – vom Miniaturformat über die Skulptur bis zum lebensgroßen Ölbild – reichen die Ausstellungsstücke.
Die Breite des Phänomens Wiener Kongress in seinen gesellschaftlichen und künstlerischen Verästelungen wird vor allem anhand von Hauptwerken aller Kunstgattungen dargestellt. Das Themenspektrum trägt sowohl der spannenden Chronologie der Ereignisse – von den Befreiungskriegen über die zweimalige Besetzung Wiens 1805 und 1809 bis hin zur Völkerschlacht bei Leipzig 1813 – als auch einer adäquaten Darstellung des Anteils der Protagonisten in Adel und Bürgertum Rechnung.
„Sie kommen zur rechten Zeit, um große Dinge zu sehen. Europa ist in Wien“, so begrüßte der französische Adelige Charles Joseph de Ligne den Grafen Auguste de La Garde, einen berühmten Chronisten des Kongresses. De Lignes Einschätzung ist keine nachträgliche Erfindung oder Rechtfertigung, sondern wird bereits durch zahlreiche zeitgenössische Quellen bestätigt. Die Formulierung hat aufgrund ihrer Prägnanz in der Verbindung von Europa und Wien der Ausstellung im Belvedere ihren Titel gegeben.





