Eine offizielle politische Rolle war für Liselotte nicht vorgesehen. Frauen, so lautete eine „Regel“ der zeitgenössischen politischen Theorie, seien nicht für das Regieren geeignet. Die Wirklichkeit sah ganz anders aus. Besonders die Ehefrauen der Könige, Kurfürsten, Herzöge übten oft die Regentschaft für ihre minderjährigen Kinder aus, wenn der Mann früh verstarb. Dabei zeigten sich viele als sehr geschickte Politikerinnen in einem oft feindseligen Umfeld, erwähnt sei nur die Mutter Ludwigs XIV., Anna von Österreich (1604–1664), die zwischen 1643 und 1652 die Regentschaft für ihren Sohn innehatte.
Als Ehefrau des Bruders des regierenden Königs und angesichts einer sich vergrößernden königlichen Familie stellte eine Regentschaft aber für Liselotte keine ernst zu nehmende Perspektive dar. Dies bedeutete aber nicht, dass sie den politischen Ereignissen ihrer Zeit gleichgültig gegenüberstand. Das 17. Jahrhundert war das siècle de fer, ein eisernes Zeitalter, wie schon ein Zeitgenosse schrieb, ein Jahrhundert der nicht enden wollenden Kriege.





