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Der Macher mit dem großen Knüppel
Er war der erste Weltmachtpolitiker der USA: Präsident Theodore Roosevelt (1901–1909) machte nicht zuletzt durch sein Eingreifen beim Bau des Panama-Kanals deutlich, dass die Vereinigten Staaten im Konzert der Großmächte mitzuspielen gedachten. Wie der Republikaner innenpolitisch wirkte, darum geht es in Teil zwei…
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Der 22. Februar 1909 begann als nebliger, kalter Tag mit immer wieder einsetzenden Regenschauern, die auf das Deck der „Mayflower“ niedergingen. Die offizielle Jacht des Präsidenten der Vereinigten Staaten, der weithin sichtbar auf ihrer Brücke stand, dümpelte wie unzählige private Segler und Motorboote in den leicht unruhigen Wassern von Hampton Roads, Virginia, vor sich hin. Als von den anderen Booten „Hurra!“-Rufe zu hören waren, richtete Theodore Roosevelt seinen Feldstecher auf den Horizont. Allmählich wurden im Morgennebel tiefschwarze Rauchsäulen sichtbar. Bald darauf konnte der Präsident im Grau ein fast strahlendes Weiß ausmachen, Objekte, die schnell näherkamen. Ein Lächeln des Stolzes ging über Roosevelts Gesicht. „The Great White Fleet“, ein Schlachtschiff-Geschwader der U. S. Navy, das zu schaffen seit mehr als einem Jahrzehnt eines seiner wichtigsten Projekte gewesen war, kehrte heim.
Hinter den 16 mit Doppelgeschütztürmen bewehrten Giganten lag eine Reise, wie sie einzigartig in den Annalen der Seefahrtgeschichte war. 14 Monate zuvor hatten die Kriegsschiffe ihren Stützpunkt Norfolk verlassen und waren zu einer Reise um die Welt ausgelaufen. Den Besatzungen war gelungen, was Experten für unmöglich gehalten hatten: eine Weltumkreisung mit einer Gesamtstrecke von mehr als 67 000 Kilometern – ohne Maschinenschäden, Verluste in Stürmen oder sonstige Missgeschicke.
Die Schiffe hatten Häfen in Dutzenden von Ländern besucht, waren von Menschen unterschiedlicher Kulturen bewundert worden und hatten auf eine subtile, freundliche Art eine Botschaft verkündet: Die Vereinigten Staaten von Amerika zeigten Flagge auf den Weltmeeren und in der internationalen Machtpolitik.
Sein berühmter Satz zur Außenpolitik bleibt bis heute haften
Ihr Präsident, der bei seinem Amtsantritt 1901 der jüngste „Chief Executive“ der US-Geschichte war (ein Rekord, der bis heute Bestand hat), nahm für sich in Anspruch, im Konzert der Mächte ein wichtiges, vielleicht gar ein entscheidendes Wort mitzureden. Und diese Botschaft war mit der Flotte in die Welt hinausgetragen worden. Theodore Roosevelt, in dessen Charakter der Intellektuelle stets im Wettstreit mit dem Abenteurer zu liegen schien, stand für ein neues, ein robustes Konzept US-amerikanischer Außenpolitik. Dieses hatte er bereits 1901 in einer Rede mit dem berühmten Satz skizziert, der bis heute haftenbleibt: „Speak softly and carry a big stick.“ („Spricht sanft und trage einen großen Knüppel“).
In Sichtweite der „Mayflower“ begannen die Kapellen auf jedem der Schiffe die Nationalhymne „The Star-Spangled Banner“ zu spielen. Roosevelt kämpfte mit den Tränen: „Ich hätte mir keine schönere Schlussszene meiner Amtszeit wünschen können!“ Die Weiße Flotte war rechtzeitig heimgekommen, um ihren Oberbefehlshaber zu ehren. Zwei Wochen später übergab dieser die Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger, den neuen US-Präsidenten William Howard Taft (1909–1913).
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Unter Roosevelt herrschte Optimismus, kamen wirtschaftliche Prosperität und technologischer Fortschritt immer mehr Amerikanern zugute. Vor allem aber: Das Land hatte unter Roosevelt einen Weg eingeschlagen, der die USA im Lauf des 20. Jahrhunderts zur Weltmacht Nummer eins machen sollte.
Theodore Roosevelt wurde am 27. Oktober 1858 in eine wohlhabende Familie in Manhattan geboren. Sein Vater, ebenfalls Theodore mit Vornamen, war ein erfolgreicher Geschäftsmann, seine Mutter Martha Bullock war eine klassische „Southern Belle“, eine Schönheit aus den Südstaaten. Der Mann, der die manchmal ungestüme Dynamik der jungen Nation so perfekt verkörperte, war ein schwächliches, asthmakrankes Kind gewesen. Dennoch hatte er früh die Fähigkeit entwickelt, mit Disziplin, enormer Willenskraft und immenser kreativer Phantasie Herausforderungen zu meistern.
Wie bei reichen amerikanischen Familien damals üblich, wurde er von Privatlehrern unterrichtet. Und ebenfalls fast typisch für das Heranwachsen in diesem Milieu der amerikanischen Gesellschaft war die „Grand Tour“ durch die sogenannte Alte Welt: Mit großem Gepäck und einem Kindermädchen bestiegen die Roosevelts (Theodore hatte drei Geschwister) im Mai 1869 den Dampfer „Scotia“ und erkundeten fast ein Jahr lang Europa.
Sie reisten durch England, Frankreich, Italien, Österreich, die Schweiz und Deutschland. Theodore feierte seinen elften Geburtstag in Köln. Er wurde auf dieser Reise ein begeisterter Naturforscher, sammelte Pflanzen, zeichnete Vögel sowie andere Kleintiere und entwickelte ein besonderes Faible für Bären – die früheste Assoziation mit einer Spezies, mit der sein Kosename „Teddy“ später untrennbar verbunden sein sollte.
Doppelter Schicksalsschlag und eine Auszeit am Rand der Zivilisation
Theodore studierte in Harvard, erwarb den Bachelor of Arts mit Auszeichnung und engagierte sich früh politisch in der noch jungen Republikanischen Partei. Mit 23 Jahren wurde er zum ersten Mal in das Staatsparlament („State Assembly“) des Bundesstaates New York gewählt. Sein ein Jahr später erschienenes Buch über den Seekrieg während des „War of 1812“ gegen Großbritannien wurde von der Kritik gelobt. Auch privat schien der Überflieger das Glück gepachtet zu haben, als ihm die schöne Alice Lee nach heftigem Werben das Jawort gab.
Doch dann die Katastrophe: Am Abend des 12. Februar 1884 gebar Alice ein gesundes Mädchen. Ein Telegramm mit der frohen Kunde erreichte Theodore im Plenarsaal in Albany. Kurz darauf traf ein zweites, unheilverkündendes Telegramm ein: Alices Befinden habe sich kurz nach der Niederkunft dramatisch verschlechtert, er müsse so schnell wie möglich nach New York City kommen. Theodore nahm den nächsten Zug und kam am Nachmittag des 13. Februar in Manhattan an. Binnen der nächsten 24 Stunden starb nicht nur seine junge Frau, sondern auch seine Mutter. Und Theodore wurde, gerade 26 Jahre alt, zum Aussteiger. Er verließ New York und Albany und ging nach North Dakota.
Der Therapieeffekt, der sich nach einiger Zeit einstellte, war beträchtlich. In einem Leben am Rand der Zivilisation, in dem es mehr als einmal zu Raufereien kam, in der er kaum je ohne sein Gewehr und seinen Revolver die Blockhütte verließ, gesundete Theodore Roosevelt an Leib und Seele. Er gewann Abstand zu dem Trauma des doppelten Verlustes, gleichzeitig stählte er seinen Körper. Und so gehörten auch die Tage der Furcht vor neuen Asthmaattacken schließlich der Vergangenheit an.
Nach New York zurückgekehrt, stürzte er sich mit Feuereifer in eine politische Karriere, die kometenhaft war wie bei kaum einem anderen späteren Präsidenten. 1888 wurde er in die „Civil Service Commission“ berufen, ein aus drei Männern bestehendes Gremium, das die Zivilverwaltung reformieren sollte. Theodore heiratete eine Freundin aus Kindertagen, Edith Carow, und wurde das Haupt einer wachsenden Familie.
Die nächste Station war die des Polizeipräsidenten von New York City. Mit typischem Elan ging er an die neue Aufgabe und bekämpfte die Korruption bei der New Yorker Polizei. Doch er verlor nie die nationale Politik aus dem Blick. Im Wahlkampf von 1896 zog er als wortgewaltiger Redner für den republikanischen Kandidaten William McKinley zu Felde. Als dieser gewann, ernannte er Theodore Roosevelt zu dessen großer Freude zum stellvertretenden Marineminister.
Im Spanisch-Amerikanischen Krieg wird Roosevelt zum Helden
Roosevelt hatte die Vision, die US-Marine zum Instrument einer aufsteigenden Großmacht zu formen; der heutige Slogan in den Werbespots der U. S. Navy – „A Force of Good in the World“ – hätte aus seiner Feder stammen können. Er träumte von einem Konflikt mit einer anderen Macht, in dem sich „seine“ Marine beweisen konnte und aus dem die USA binnen kurzem siegreich hervorgehen würden. Wer der Gegner sein würde, stand für ihn außer Frage: Spanien.
Auf Kuba, neben Puerto Rico die letzte amerikanische Kolonie des Landes, dem einst große Teile des Kontinents gehört hatten, tobte seit längerem ein Guerillakrieg zwischen Aufständischen, die für die Unabhängigkeit der Insel kämpften, und dem spanischen Militär, das seine besten Zeiten seit fast 300 Jahren hinter sich hatte. Die Sympathien in den USA – vor allem der Medien, der Konzerne, der Politiker und der Schreibtischstrategen wie Roosevelt – lagen auf Seiten der Kubaner.
Roosevelts Traum ging schon bald in Erfüllung. Am 15. Februar 1898 sank das Schlachtschiff „USS Maine“, das im Hafen von Havanna zu einem „Freundschaftsbesuch“ festgemacht hatte, nach einer gewaltigen Explosion. Die Presse forderte Krieg gegen Spanien – und bekam ihn. Die Katastrophe, die 266 amerikanische Seeleute das Leben kostete, war allerdings aller Wahrscheinlichkeit nach nicht durch einen spanischen Sprengsatz, sondern durch eine spontane Entladung im Kohlenlager des Schiffes, einem Schlagwetter unter Tage nicht unähnlich, ausgelöst worden.
Jetzt hielt es Roosevelt nicht mehr an seinem Schreibtisch in Washington. Zusammen mit Gleichgesinnten rüstete er ein Regiment aus, das offiziell „First Volunteer Cavalry“ hieß, bald aber unter seinem Beinamen „The Rough Riders“ zum Liebling der Presse wurde.
Es bestand aus einer merkwürdigen Mischung, zu der Harvard-Absolventen ebenso gehörten wie Cowboys aus dem Westen und auch einige indigene Amerikaner (allen drei Gruppen fühlte sich Theodore verbunden). Roosevelt sorgte dafür, dass die Leser daheim von seinen Heldentaten Kenntnis erhielten: Die „Rough Riders“ hatten einen eigenen Korrespondenten in ihren Reihen, als das Regiment im Sommer 1898 auf Kuba landete.
Am 1. Juli 1898 kam die Stunde des Ruhms. An der Spitze der „Rough Riders“ erstürmte Roosevelt eine Anhöhe mit Namen San Juan Hill. Es wurde wenn auch nicht die entscheidende, so doch die berühmteste Schlacht des Spanisch-Amerikanischen Krieges. Theodore Roosevelt stieg zum Nationalhelden auf.
Kriegshelden haben in den USA stets einen immensen Bonus gehabt, wenn sie eine politische Karriere begannen – George Washington, Andrew Jackson, Ulysses Grant und Dwight D. Eisenhower sind die bekanntesten Beispiele. Noch im Jahr des kurzen Krieges von 1898 wählten die New Yorker Theodore Roosevelt zu ihrem Gouverneur. Er genoss hohes Ansehen, sowohl innerhalb der Republikaner als auch auf der nationalen Bühne. Präsident William McKinley hatte daher kaum eine andere Wahl, als ihn 1900 bei seinem Streben nach einer zweiten Amtszeit auf das republikanische Ticket zu setzen, ihn zu seinem Vizepräsidentschaftskandidaten zu machen. McKinley, der es wie viele Präsidenten seiner Zeit für unwürdig hielt, selbst als Wahlkämpfer aufzutreten, überließ dies nur zu gern Roosevelt, der ein mitreißender Redner war.
Roosevelt wurde bei seinen Auftritten mit Fragen zu einer ganz neuen Problematik konfrontiert – zu einer Entwicklung, die in eklatantem Widerspruch zum Selbstverständnis der USA seit ihren Gründungstagen stand: Das Land, das aus einer Revolution gegen die Kolonialmacht Großbritannien entstanden war und mit der Monroe-Doktrin von 1823 jeglicher europäischen Machtausdehnung in die westliche Hemisphäre entschlossen entgegengetreten war, hatte nun selbst den Status einer Kolonialmacht erworben, hatte Menschen weit entfernt vom amerikanischen Kontinent unter die Herrschaft des Sternenbanners gebracht.
Der Krieg gegen Spanien 1898 war sehr schnell gewonnen worden, in der Karibik und in der fernen spanischen Kolonie in Ostasien, den Philippinen. Mit dem Frieden von Paris, der den nur 16 Wochen dauernden und militärisch sehr einseitigen Konflikt beendete, gingen Puerto Rico, Guam und die Philippinen in den Besitz der USA über.
Der Kongress in Washington zögerte zunächst mit seiner Zustimmung: Zahlreichen Abgeordneten und Senatoren wurde deutlich, dass sich die USA von ihrem antikolonialen Gründungsideal entfernten und zu einer imperialistischen Macht in diesem Zeitalter des Imperialismus wurden. Für weite Teile der US-Öffentlichkeit war Imperialismus indes nichts Schlechtes, solange er von einer Demokratie wie der eigenen betrieben wurde und nicht im Namen von gekrönten Häuptern, wie es bei der Kolonialisierung durch Großbritannien oder in jüngerer Zeit durch das wilhelminische Deutschland geschah.
Dieser Stimmungslage entsprach Theodore Roosevelts Aussage im Wahlkampf von 1900: „Die einfache Wahrheit ist, dass in der gegenwärtigen Entwicklung nichts im entferntesten an ,Imperialismus‘ oder ,Militarismus‘ erinnert, sondern dass es zur Politik der Expansion gehört, wie sie seit den Gründertagen Teil der Geschichte Amerikas ist.“
Viele Filipinos sahen das anders und führten einen Krieg (1898 –1902) gegen die amerikanische Besatzungsmacht. Es war das erste Mal, dass die USA in Übersee ihre Machtstellung gegen Einheimische verteidigen mussten. Dazu gehörte auch ein von beiden Seiten brutal geführter Guerillakrieg, der heute wie ein Vorläufer der späteren amerikanischen Verstrickung in Vietnam wirkt.
Vizepräsident – und ein Jahr später Herr im Weißen Haus
Bei der Wahl von 1900 stimmte eine Mehrheit der Amerikaner (Amerikanerinnen durften erst seit 1920 ihren Präsidenten wählen) für McKinley und seinen Vizepräsidentschaftskandidaten. Dass dessen wichtigste verfassungsmäßige Aufgabe im Prinzip darin besteht, „einen Herzschlag von der Präsidentschaft“ entfernt in Bereitschaft zu stehen, bewahrheitete sich weniger als ein Jahr nach der Wahl auf dramatische Weise: Präsident William McKinley erlag am 14. September 1901 der Verletzung, die ihm ein Attentäter eine Woche zuvor zugefügt hatte.
Theodore Roosevelt war mit 42 Jahren am Ziel seiner politischen Ambitionen: „Es ist schrecklich, auf diese Weise in die Präsidentschaft zu gelangen. Aber noch schlechter wäre es, deswegen sauertöpfisch zu werden. Hier ist die Aufgabe, ich muss sie nach meinen besten Fähigkeiten erfüllen, und damit hat es sich.“
Der Imperialismus der USA in Asien hinderte den neuen Präsidenten nicht daran, dem europäischen Imperialismus entgegenzutreten, wenn dieser auf den Teil der Welt auszugreifen schien, den amerikanische Strategen als „Hinterhof“ der USA ansahen – worunter man meist den größten Teil des Kontinents verstand. Im Dezember 1902 trafen britische und deutsche Kriegsschiffe vor der Küste Venezuelas ein, um die Regierung des Landes zu „ermutigen“, seine Schulden bei den beiden Mächten zu bezahlen.
Roosevelt nahm diese Maßnahme sehr differenziert wahr: Er fühlte eine Bedrohung der US-amerikanischen Interessen weniger durch den alten Rivalen Großbritannien als vielmehr durch das aufstrebende deutsche Kaiserreich: „Ich glaube, dass Deutschlands Haltung uns gegenüber es als die einzige Macht erscheinen lässt, mit der es die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenstoßes gibt.“
Roosevelts Drohung gegenüber dem deutschen Botschafter Theodor von Holleben, die U. S. Navy unter dem Kommando des Helden von 1898, Admiral George Dewey, in Richtung Venezuela in Marsch zu setzen, führte dazu, dass Berlin die US-Regierung als Vermittler akzeptierte. Eine solche Vermittlerrolle übernahmen die USA im Jahr 1906 auch zwischen Deutschland und Frankreich zur Lösung der ersten Marokko-Krise bei der Konferenz von Algeciras.
Großbritannien gegenüber war die Außenpolitik der USA unter Roosevelt deutlich freundlicher. Wie sein Vorgänger setzte er die Politik des „Great Rapproachment“, der Annäherung an das einstige Mutterland, fort. Dies war die Basis dafür, dass die USA 1917 auf Seiten Großbritanniens in den Ersten Weltkrieg eintraten.
Ein anderes Land, dem er Sympathien entgegenbrachte, war Japan. Die Beziehungen waren durch eine rassistische Grundhaltung von Teilen der Öffentlichkeit und der Regierungen einzelner Bundesstaaten, vor allem von Kalifornien, belastet. Danach galt die Einwanderung von asiatischen Migranten als „Yellow Peril“, als „Gelbe Gefahr“. Roosevelt konnte 1907 mit Japan ein Abkommen aushandeln: Das Kaiserreich sagte zu, keine Migration in die USA mehr zu erlauben. Im Gegenzug versprachen die Vereinigten Staaten, die Diskriminierung von im Land lebenden Japanern zu unterbinden.
Japan stand auch im Zentrum von Roosevelts größtem diplomatischem Triumph. Zwischen dem asiatischen Land und dem Zarenreich in Russland war 1904 Krieg ausgebrochen. Der Konflikt wurde in der Schlacht bei Tsushima am 27. Mai 1905 entschieden – die erste große militärische Niederlage einer europäischen Macht gegen einen asiatischen oder nicht-kaukasischen Gegner.
Die Roosevelt-Administration war neutral, die Sympathien des Präsidenten indes lagen bei den Japanern, wenn auch verbunden mit düsteren Vorahnungen: „Die Japs interessieren mich, und ich mag sie. Mir ist vollkommen klar, dass es bei einem eindeutigen Sieg für sie in der Zukunft zum Kampf zwischen ihnen und uns kommen kann.“
Es war ein entfernter Cousin, Franklin Delano Roosevelt, der diesen Krieg gegen Japan seit Dezember 1941 führen würde. Theodore indes wurde im Japanisch-Russischen Krieg zum erfolgreichen Vermittler. Er schlug das etwas abgelegene Portsmouth im Bundesstaat New Hampshire als Konferenzort vor, wo sich die Diplomaten der beiden kriegführenden Mächte unter seiner Ägide abseits der Washingtoner Medienpräsenz treffen konnten.
Ohne selbst am Verhandlungstisch zu sitzen, brachte Roosevelt beide Seiten dazu, von Maximalforderungen Abstand zu nehmen. Den Vertrag von Portsmouth, der am 5. September 1905 unterzeichnet wurde, bezeichnete Roosevelt in einem Brief an einen britischen Freund als „einen gerechten Frieden für Russland und Japan, der gut für England und die Vereinigten Staaten ist“. 1906 wurde Theodore Roosevelt der Friedensnobelpreis (den es erst seit 1901 gibt) verliehen – als erstem Amerikaner und als einem von bis heute vier US-Präsidenten (neben Woodrow Wilson, Jimmy Carter und Barack Obama).
Eingriff in Panama: Imperialismus in Reinkultur
Theodore Roosevelts größtes außenpolitischen Vorhaben – und sein bleibendes Vermächtnis – war der Bau des Panama-Kanals. Sein Außenminister John Hay handelte mit Kolumbien (Panama war eine Provinz des südamerikanischen Landes) einen Vertrag aus, der eine 99-jährige Kontrolle der USA über einen rund zehn Kilometer breiten Streifen der künftigen Kanalzone (die tatsächlich rund 16 Kilometer breit wurde) garantierte. Als zur allgemeinen Irritation der kolumbianische Senat den Vertrag ablehnte, setzte ein aus dem 20. Jahrhundert nur allzu bekannter Mechanismus ein: Panama erhob sich und erklärte sich für unabhängig, die USA unterstützten den Aufruhr und schickten im November 1903 Truppen. Damit machte Washington den Weg für den Kanalbau frei – Imperialismus in Reinkultur.
Im September 1906 verließ Roosevelt als erster amtierender Präsident die USA, um sich auf eine Auslandsreise zu begeben. Er besuchte unter anderem die Baustelle in Panama. Dort setzte er sich für bessere Arbeitsbedingen der vielen tausend Arbeiter ein. Diese wurden wiederholt von Epidemien heimgesucht, von Arbeitsunfällen ganz zu schweigen. Der Kanal wurde 1914 fertiggestellt, innerhalb des gesetzten Budgets, doch erkauft war das gigantische Infrastrukturprojekt mit dem Leben von rund 28 000 Arbeitern.
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