Am 2. April 1787 traf ein englischer Tourist in der sizilianischen Hauptstadt Palermo ein. Menschen, mit denen er sprach, stellte er sich als Mr. Wilton vor. Ein unbeteiligter Beobachter mochte glauben, dieser Mr. Wilton bereise Europa auf der Suche nach antiken Ruinen, Abenteuern, Inspiration und Geschäftskontakten – die sogenannte Grand Tour war damals besonders in England hoch in Mode. Doch Mr. Wilton stand der Sinn nach etwas anderem: Er suchte die Familie eines gewissen Giuseppe Balsamo, denn er war überzeugt, dass sich ebendieser Balsamo hinter dem mysteriösen Grafen von Cagliostro verbarg, der mit seinen Geschichten den ganzen Kontinent spaltete.
Mr. Wilton hatte hervorragende Kontakte und wurde tatsächlich fündig: Er traf die Mutter und die Schwester Balsamos. Die beiden Frauen erzählten dem freundlichen Mr. Wilton alles, was er wissen wollte, und dieser konnte bald darauf Nachricht in seine Heimat schicken – diese war nicht etwa London oder Bristol, sondern Weimar. Denn bei dem englischen Touristen handelte es sich in Wirklichkeit um Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), für den Cagliostros Schwindel nun nicht mehr nur eine Vermutung, sondern eine bewiesene Tatsache darstellte.





